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23.05.2012

Neue Ära der Behandlung von Hepatitis C

Weltweit sind zwischen 130 und 170 Millionen Menschen mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert. Seit dem Jahre 2011 sind in der Schweiz neue Wirkstoffe gegen Hepatitis C zugelassen. Beat Müllhaupt, Professor am Universitätsspital Zürich, gibt Auskunft.

Das Hepatitis C-Virus wurde erst im Jahre 1989 entdeckt. Wie sah damals die Standardbehandlung gegen Hepatitis C aus?
Prof. Beat Müllhaupt: Interferon wurde schon zu dieser Zeit erfolgreich gegen Hepatitis B eingesetzt. Also lag es auf der Hand, diesen Wirkstoff auch gegen Hepatitis C einzusetzen. Interferon ist ein Wirkstoff, der das Immunsystem aktiviert, damit dieses das Virus besser bekämpfen kann. Aber Interferon greift das Virus nicht direkt an. Entsprechend waren die Heilungsraten am Anfang eher gering: etwa zehn Prozent der Patienten konnten geheilt werden. Dann wurde – durch Zufall – entdeckt, dass der Wirkstoff Ribavirin dazu führt, dass die Interferon-Behandlung besser anspricht und die Behandlungschancen steigen.

Was waren die nächsten Schritte in der Behandlung?
Als nächstes wurde ein Interferon entwickelt, dass der Patient nicht mehr jeden Tag oder mehrmals pro Woche einnehmen muss, sondern nur noch einmal pro Woche. Das hat die Lebensqualität der Patienten verbessert. In den Jahren 2000 bis 2009 ging es vor allem darum, die Therapie zu optimieren und besser auf die verschiedenen Virustypen abzustimmen (es gibt insgesamt sechs verschiedene Hepatitis C-Virustypen). Heute ist die Dauer der Behandlung abhängig vom Virustyp, mit dem sich der Patient infiziert hat. Zunächst wird der Virustyp abgeklärt und auf dieser Basis wird die Therapie erstellt. Die Hepatitis C-Behandlung wurde personalisiert.

Seit dem Jahre 2011 sind in der Schweiz zwei neue Wirkstoffe gegen Hepatitis C zugelassen. Welche Vorteile bringen diese Medikamente?
Diese beiden Wirkstoffe haben die Heilungschancen deutlich verbessert. Beim Hepatitis C Genotyp 1 zum Beispiel, der in Europa weit verbreitet ist, haben sich die Heilungschancen von 40 bis 50 Prozent auf 70 bis 80 Prozent verbessert.

Welche Nachteile haben diese neuen Medikamente?
Derzeit werden die neuen Wirkstoffen mit den alten kombiniert. Das verbessert die Heilungschancen, führt aber zu mehr Nebenwirkungen. Denn zu den bisherigen Nebenwirkungen von Ribavirin und Interferon, das etwa Depressionen auslösen kann, sind nun noch die Nebenwirkungen der neuen Wirkstoffe dazugekommen. Da viele Nebenwirkungen durch Interferon verursacht werden und dieser Wirkstoff auch gespritzt werden muss, wird derzeit intensiv an der Entwicklung von Interferon-freien Behandlungen geforscht.

Zudem kann es Probleme bei der Einnahme geben, weil die Tabletten sehr regelmässig eingenommen werden müssen, etwa alle acht Stunden, damit die Wirksamkeit möglichst konstant bleibt. Wenn das nicht befolgt wird, kann das Hepatitis C-Virus rasch resistent gegen den Wirkstoff werden. Trotzdem bin ich überzeugt, dass nun eine neue Ära der Behandlung gegen Hepatitis C angebrochen ist. Die Therapie wird sich in den nächsten Jahren dramatisch verändern.

Weshalb?
Es werden nun immer mehr Wirkstoffe entwickelt, die das Virus direkt angreifen und je mehr Wirkstoffe wir Ärzte zur Verfügung haben, umso besser können wir eine gezielte Therapie für jeden Patienten anbieten. Vielleicht wird es in Zukunft auch einen Wirkstoff geben, der gegen alle sechs Virustypen wirkt oder es werden Kombinationspräparate entwickelt wie bei Aids, die in einer Tablette mehrere Wirkstoffe enthalten. Dadurch kann eventuell auch die Dauer der Behandlung verkürzt werden. 

Professor Beat Müllhaupt, Spezialist für #Hepatitis C, im Interview. http://bit.ly/JtxSQY #iph
Prof. Beat Müllhaupt
Beat Müllhaupt ist Professor am Universitätsspital Zürich und Spezialist für Hepatitis C.

Kommentare

Bin zwar schon erfolglos durch alles hindurch und trotztem bin ich interessiert was die Forschung neues bringt

Bin zwar schon erfolglos durch alles hindurch und trotztem bin ich interessiert was die Forschung neues bringt

Lieber Herr Wagenbach

Vielen Dank für Ihr Kommetar. Wir hoffen, wir können auch in Zukunft für Sie interessante Forschungsbeiträge veröffentlichen.

Wir freuen uns auf eine aktive Leserschaft.

 

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