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20.06.2012

Grösseren Schaden abwenden

Bei der Suche nach den Ursachen der Nervenkrankheit Multiple Sklerose haben deutsche Forscher eine neue Facette des vielschichtigen Krankheitsbildes entschlüsselt. Die Erkenntnisse könnten einen neuen Weg zur Bekämpfung der Krankheit aufzeigen.

Multiple Sklerose (MS) ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei jungen Erwachsenen, die in verschiedenen Formen auftritt und mit Seh- und Gehstörungen einhergeht. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Krankheit durch körpereigene Abwehrzellen verursacht wird, die das Zentrale Nervensystem (Gehirn, Rückenmark) angreifen. Sie vermuten zudem seit längerer Zeit, dass bei einzelnen MS-Typen fehlgeleitete Abwehrreaktionen gegen virale Krankheitserreger eine Rolle spielen könnten. „Ob das wirklich zutrifft, ist noch unklar“, sagt Prof. Thomas Hünig vom Lehrstuhl für Immunologie der Universität Würzburg, „unsere Experimente zeigen jedoch, dass dies ein ernst zu nehmender Mechanismus ist.“ 

Begleitschaden im Anti-Viren-Kampf

Die Experimente, auf die Hünig anspielt, hat er zusammen mit Forscherkollegen aus Köln und Dresden durchgeführt. Die Forscher richteten ihr Augenmerk auf die Killer-T-Zellen, die Teil des Immunsystems sind und normalerweise die Aufgabe haben, mit Bakterien oder Viren infizierte Körperzellen zu zerstören. Warum aber zerstören diese Killer-T-Zellen bei MS-Patienten die körpereigenen Oligodendrozyten, die um die Nervenfasern eine Isolierschicht bilden? Das haben die Forscher mit einer ausgefeilten Versuchsanordnung an Mäusen untersucht. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Zerstörung der Oligodendrozyten gewissermassen ein Begleitschaden ist, der beim Kampf der Killer-T-Zellen gegen Krankheitserreger entsteht. „Solange das Gehirn nicht selbst infiziert ist, ist es in der Lage, die Killerzellen sehr effizient abzuwehren“, sagt Hünig. „Ist das Gehirn hingegen infiziert, wehrt es den Angriff der Killerzellen nicht mehr ab und lässt damit zu, dass sie nicht nur die Krankheitserreger, sondern auch die Oligodendrozyten beschädigen. Das Gehirn nimmt also die Nervenschädigung (und damit die Entstehung von MS) in Kauf, um eine weitere Verbreitung des Krankheitserregers im Gehirn zu vermeiden.“

Zwei Wege

Um die Entstehung von MS zu unterbinden, sieht der Würzburger Immunologe zwei mögliche Ansätze. Entweder werden Infektionen des Zentralen Nervensystems mit antiviralen Substanzen bzw. Antibiotika bekämpft. Oder es sind neue Wirkstoffe zu entwickeln, die die Signale blockieren, die den Killerzellen den Angriff auf die körpereigenen Oligodendrozyten erlauben. „Die Aufklärung dieser Signale ist eine Forschungsaufgabe, die wir in den nächsten Jahren angehen werden“, sagt Hünig.
 

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Forschung & Entwicklung: MS
Deutsche Forscher entdecken Mechanismus, der das Verständnis von Multipler Sklerose verbessert.
 

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