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Kein Hirntumor ist häufiger bei erwachsenen Personen als das Glioblastom. In den meisten Fällen kann die Krankheit nicht geheilt werden. Nach einer Operation entwickelt sich aus den verbliebenen Krebszellen in der Regel ein neuer Tumor. Nur fünf Prozent der Patientinnen und Patienten haben eine Lebenserwartung von mehr als fünf Jahren. Ein wirksames Medikament ist zur Zeit nicht in Sicht. Neuste Erkenntnisse von Krebsforschern aus Genf, Heidelberg und Tübingen geben dennoch Anlass zu Hoffnung. Ihre Forschungsergebnisse haben sie im Fachmagazin „Brain“ publiziert.
Therapeutische Impfung
„Wir versuchen, nach einer Operation das Wachstum des nachwachsenden Tumors (Rezidiv) zu verzögern“, fasst Prof. Philipp Beckhove vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg das Forschungsziel zusammen. Ansatzpunkt der neuen Therapie sind die Eiweisse an der Oberfläche der Glioblastomzellen. Auf ihrer Grundlage konnten die Forscher eine therapeutische Impfung entwickeln: der Wirkstoff wird in die Haut injiziert, wo er quasi eine Entzündung auslöst und damit das Immunsystem zur Abwehr des Tumors stimuliert. Eine vorbeugende Impfung gegen das Glioblastom ist damit nicht möglich. Die Impfung kann erst nach der Operation des Primärtumors eingesetzt werden. Denn erst zu dem Zeitpunkt bieten die verbliebenen Krebszellen die nötige Angriffsfläche für die Immunantwort.
Klinische Studien
Der neu entwickelte Krebsimpfstoff wird in den USA und in Grossbritannien bereits klinisch getestet, in Deutschland und der Schweiz sind klinische Studien in Planung. „Unsere Forschungsergebnisse werden die Entwicklung von Immuntherapien gegen Hirntumore in grösserem Massstab ermöglichen, denn wir haben auf den Glioblastom-Zellen Ziele ausgemacht, die ausschliesslich oder vorwiegend bei Tumorzellen vorkommen“, sagt Prof. Pierre-Yves Dietrich, Onkologe am Universitätsspital Genf. „Immunzellen (Lymphozyten) können damit zielgenau auf Tumorzellen angesetzt werden, während sie gesunde Hirnzellen verschonen.“
