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19. März 2014

„Absterben von Krebstumoren auslösen“

Forscher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich zusammengeschlossen, um den programmierten Zelltod (Apoptose) zu untersuchen. Beteiligt von Schweizer Seite ist Dr. Thomas Kaufmann vom Institut für Pharmakologie der Universität Bern.

Herr Kaufmann, wie ist das trinationale Forschungsprojekt zum Zelltod zustande gekommen?
Thomas Kaufmann: In dem neuen Verbund arbeiten neun Forschergruppen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen, die teilweise schon in früheren Projekten kooperiert haben. Aus dem Kreis dieser Personen ging dann die Idee für dieses neue Projekt hervor. Für das Gesuch nutzten wir das sogenannte Lead Agency-Verfahren, mit dem Forschungsverbünde gebildet werden können, die vom Schweizerischen Nationalfonds und den entsprechenden Förderorganisation der Nachbarstaaten – Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und österreichischer Wissenschaftsfonds – finanziert werden. In unserem Fall wurde das Projekt vom DFG begutachtet.

Welches ist das Ziel des zunächst auf drei Jahre angelegten Projekts?
Wir untersuchen die genetischen und molekularen Grundlagen, die das gezielte Absterben menschlicher und muriner Zellen – wir Fachleute sprechen von Apoptose – auslösen oder verhindern. Im Fokus unserer Forschung steht eine bestimmte Familie von Signalmolekülen, die den Zelltod steuern, die B-cell lymphoma 2 (Bcl-2)-Familie. Seit rund 25 Jahren ist bekannt, dass Moleküle der Bcl-2-Familie eine wichtige Rolle beim programmierten Zelltod spielen, allerdings sind noch viele Fragen offen, die unser Projekt nun klären will. Wir untersuchen biophysikalische und biochemische Mechanismen, überprüfen diese im Mausmodell und schlagen auch eine Brücke zu den Anwendungen beim Menschen.

Sie leiten die Forschergruppe, die als einzige von Schweizer Seite an dem Projekt beteiligt ist. Welches ist Ihr Beitrag zum Gesamtprojekt? 
Meine Forschungsgruppe befasst sich mit einem bestimmten Mitglied der Bcl-2-Familie, das bis anhin noch nicht gut charakterisiert ist. Wir wollen herausfinden, mit wem dieses Protein wo in der Zelle wie interagiert. Wir sind einige von wenigen Forschenden weltweit, die sich mit diesem Molekül beschäftigen.

Für welche Krankheiten könnte ihre Forschung in Zukunft bedeutsam werden?
Für die Behandlung von Krebsformen, denn die meisten Krebszellen verändern oder inaktivieren ihr Zelltodprogramm, so dass sie resistent werden gegen gängige Behandlungsmethoden. Die Bcl-2 Familie spielt dabei eine zentrale Rolle. Das Absterben von Krebstumoren kann durch die Wiederaktivierung des zelleigenen 'Selbstmordprogramms' ausgelöst werden. Darüber hinaus ist unsere Forschung auch interessant mit Blick auf Autoimmunkrankheiten. Bei Autoimmunkrankheiten werden Zellen des Immunsystems so umprogrammiert, dass sie sich schädigend gegen den eigenen Körper richten. Es ist heilsam, solche Zellen gezielt aus dem Verkehr zu ziehen. Wir erhoffen uns, dass unsere Ergebnisse dazu beitragen werden, gezieltere Strategien für die Entwicklung von Wirkstoffen im Kampf gegen diese Krankheiten zu entwickeln, was wiederum den Patienten einen konkreten medizinischen Nutzen bringen würde.

Der Berner Forscher Thomas Kaufmann erklärt, wie sich der gezielte Zelltod für Heilzwecke nutzen lässt. http://bit.ly/1egLlbJ #iph
Thomas Kaufmann
Dr. Thomas Kaufmann von der Universität Bern.
 

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