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21. Dezember 2016

Syphilis meldet sich zurück

Obwohl mit Penicillin ein wirksames Antibiotikum zur Verfügung steht, ist die Geschlechtskrankheit Syphilis weiterhin verbreitet. Ein Forscherteam mit Zürcher Beteiligung hat nun den Stammbaum der heute verbreiteten Krankheitserreger entschlüsselt.

In der Schweiz kennen die meisten Menschen Syphilis wohl nur aus dem Geschichtsunterricht. Doch in den letzten Jahrzehnten hat die sexuell übertragbare Krankheit wieder an Boden gewonnen. Weltweit werden zur Zeit zehn Millionen Neuansteckungen mit Syphilis registriert. Für die betroffenen Personen ist es ein Segen, dass mit Penicillin ein wirksames Antibiotikum zur Verfügung steht. Bei jenen Personen, die gegen Penicillin allergisch sind, können Ärzte das Antibiotikum Azithromycin verschreiben. Den historischen Hintergründen der legendären Infektionskrankheit widmet sich nun eine neue Studie, die ein internationales Forscherteam unter der Leitung der Universität Zürich (Erstautorin: Dr. Natasha Arora) erstellt hat und die kürzlich in der Fachzeitschrift 'Nature Microbiology' veröffentlicht wurde.

70 Patientenproben

Die Wissenschaftler beschafften in 13 Ländern weltweit 70 Proben des Syphilis-Erregers TPA (bzw. der Erreger TPE und TEN, die die verwandten Infektionskrankheiten Frambösie und Bejel hervorrufen). Durch eine genetische Untersuchung der Erreger konnten die Wissenschaftler entschlüsseln, wie sich Syphilis über die Jahrzehnte ausgebreitet hat. Sie konnten erstens zeigen, dass alle aus modernen Patientenproben extrahierten Erreger auf einen gemeinsamen Erregerstamm aus dem 18. Jahrhundert zurückgehen. Zweitens konnten sie nachweisen, dass sich die meisten heute aktiven Krankheitserrger nach 1950 aus einem gemeinsamen Stamm entwickelt haben. „Indem wir aktuelle Erreger genetisch untersuchten, konnten wir weit in die Geschichte der Krankheit zurückblicken“, sagt Dr. Homayoun C. Bagheri, ehemaliger Professor am Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der Universität Zürich und Letztautor der oben genannten Studie. „Dies ist uns gelungen, indem wir die Mutationen im Erbgut der Krankheitserreger analysierten; daraus konnten wir den Stammbaum der Erreger rekonstruieren.“

Gegen Azithromycin resistent

Die heute weltweit verbreiteten Krankheitserreger von Syphilis lassen sich in die beiden Gruppen SS14-Omega und Nichols einteilen. Nach Auskunft der jüngsten Studie haben die Erreger der SS14-Omega-Gruppe eine gemeinsame Abstammung: Sie entwickelten sich Mitte des 20. Jahrhunderts – und damit nach der Entdeckung des Penicillins. Ein grosser Teil dieser Erreger ist heute gegen das Antibiotikum Azithromycin resistent. Das ist jener Wirkstoff, der heute bei jenen Patienten zum Einsatz kommt, die gegen Syphilis allergisch sind. Die beteiligten Wissenschaftler nennen diesen Befund besorgniserregend, betonen aber zugleich, dass gegen Penicillin bisher keine Resistenzen festgestellt wurden.

Ein Forscherteam mit Zürcher Beteiligung rekonstruiert den Stammbaum des #Syphilis-Erregers. http://bit.ly/2hbdE4Y #iph
Syphilis-Erreger
Syphilis-Erreger zwischen zwei menschlichen Zellen.
 

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