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6. Januar 2017

Hoffnung für MS-Patienten

In einer internationalen klinischen Phase 3-Studie mit Basler Beteiligung wurde ein neuer Wirkstoff zur Behandlung von Multipler Sklerose (MS) erfolgreich getestet.

MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die oft schon bei jungen Erwachsenen einsetzt und typischerweise zu Sehstörungen, Lähmungserscheinungen und Bewegungseinschränkungen führt. Bei der überwiegenden Zahl (rund 85%) der Patientinnen und Patienten verläuft die Erkrankung zunächst in Schüben. Das heisst, die Krankheitssymptome treten während Tagen und Wochen auf, und klingen anschliessend wieder ganz oder doch teilweise ab. Bei bis zu 15% der Patientinnen und Patienten treten von Anfang an keine Schübe auf. Hier manifestieren sich die Krankheitssymptome nach und nach und werden tendenziell immer stärker. Für diese zweite Verlaufsform – Fachleute bezeichnen sie als 'primär progredient' – wurde mit dem Wirkstoff Ocrelizumab nun erstmals ein potenzielles Medikament erfolgreich getestet. Darüber berichtet ein internationales Forscherteam im Fachjournal 'New England Journal of Medicine'.

Drei Studien

Untersucht wurde der Wirkstoff Ocrelizumab in 40 Ländern in drei Studien mit jeweils über 700 Personen. In einer Studie wurden Patientinnen und Patienten mit 'primär progredienter' MS mit dem Wirkstoff behandelt. Dabei zeigte sich, dass der Stoff die Anzahl der Patientinnen und Patienten mit bestätigter Verschlechterung des Körperzustands im Vergleich zu Placebo um 25% vermindern konnte. In den zwei anderen Studien wurde Ocrelizumab Patientinnen und Patienten mit schubförmiger MS verabreicht. Diese Studien zeigten, dass Ocrelizumab die Zahl der Schübe um 45%, die Anzahl der Teilnehmenden mit bestätigter Verschlechterung um 40% und die Zahl entzündlicher Herde um über 90% im Vergleich zum bereits zugelassenen MS-Medikament Interferon β-1A verminderte. „Für beide Indikationen sind aktuell Zulassungsanträge bei den relevanten Zulassungsbehörden (FDA, EMA, Swissmedic etc.) in Bearbeitung“, sagt Prof. Ludwig Kappos, klinischer Co-Leiter der internationalen Studien und Chefarzt Neurologie am Universitätsspital Basel.

Gegen den Zellrezeptor CD20

Beim Wirkstoff Ocrelizumab handelt es sich um einen sogenannten monoklonalen Antikörper. „Ein monoklonaler Antikörper ist ein biotechnologisch hergestelltes Eiweissmolekül, das jeweils ganz spezifisch andere Moleküle (Rezeptoren) erkennt, die in der Regel auf der Oberfläche von Zellen sind, aber auch im Blut zirkulieren können“, erläutert Prof. Kappos von der Universität Basel. „Ocrelizumab richtet sich gegen einen spezifischen Rezeptor (CD20), der für einen Zelltyp unseres körpereigenen Abwehrsystems, die sogenannten B-Zellen, charakteristisch ist. Wenn der monoklonale Antikörper an CD20 bindet, leitet er den Untergang der betroffenen Zelle ein.“

Eine internationale Studie mit Basler Beteiligung macht Hoffnung auf ein neues Medikament gegen #MS. http://bit.ly/2jaNw6L #iph
Prof. Ludwig Kappos
Prof. Ludwig Kappos vom Universitätsspital Basel.
 

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