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10. Januar 2017

Überraschende Wirkung

Krebszellen lassen sich bekämpfen mit einer Kombination von zwei Wirkstoffen, die bisher gegen ganz andere Krankheiten (Diabetes, hoher Blutdruck) eingesetzt werden. Das hat ein Forscherteam des Biozentrums der Universität Basel herausgefunden.

Ein Medikament besteht aus einem einzigen Wirkstoff, oder seine Wirkung ist das Resultat einer Kombination von zwei und mehr Wirkstoffen. Wirkstoffkombinationen stehen heute vermehrt im Fokus der medizinischen Forschung, nicht zuletzt auch in der Krebsforschung. Das bestätigt Dr. Don Benjamin, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forscherteam von Prof. Michael Hall am Biozentrum der Universität Basel: „Die Suche nach Kombinationstherapien gegen Krebs ist ein jüngerer Trend. Ein Grund für diese Entwicklung ist die Hoffnung, dass bei Wirkstoffkombinationen weniger Resistenzen auftreten als bei einzelnen Wirkstoffen.“ Don Benjamin hat nun mit Kollegen in einer Studie gezeigt, dass die Kombination aus einem Diabetesmedikament (Metformin) und einem Blutdrucksenker (Syrosingopine) Krebszellen erfolgreich eliminiert. Die Untersuchung wurde in der Fachzeitschrift 'Science Advances' publiziert.

Tests an Zelllinien und Mäusen

Der Wirkstoff Metformin hat krebshemmende Eigenschaften. Die Wirkung ist allerdings zu wenig ausgeprägt, um Metformin für sich genommen als Krebsmedikament einsetzen zu können. Das Basler Forscherteam suchte deshalb nach Stoffen, die die krebshemmende Wirkung von Metformin verstärken. Sie prüften über Tausend Substanzen – und wurdem beim Bluckdrucksenker Syrosingopine fündig, wie Don Benjamin berichtet: „Die Wirkstoffkombination tötet Krebszellen aus einer Vielzahl von Organen (Blut/Leukämie, Leber, Lunge, Darm und anderen mehr). Die Kombination war in 80% der getesteten Zelllinien wirksam.“ Neben der Kulturschale wurde der Kombi-Wirkstoff auch an Mäusen mit bösartigem Leberkrebs untersucht. Die krebsbedingte Lebervergrösserung bildete sich im Zuge der Therapie zurück, ebenso die Zahl der Tumorknoten.

Energieversorgung gekappt

Beide Wirkstoffe stören die Vergänge, die die Zellen mit Energie versorgen, wie die Wissenschaftler in ihrer Arbeit weiter zeigen konnten. Da Krebszellen einen besonders grossen Energieverbrauch haben, werden sie durch das Wirkstoffgemisch abgetötet, während gesunde Zellen überleben. Die Erkenntnisse aus dem Biozentrum Basel sind noch der Grundlagenforschung zuzuordnen. Sie liefern aber wichtige Hinweise für die Entwicklung neuer Krebsmedikamente. Welches ist der nächste Schritt der Forschung, um den Kombiwirkstoff Metformin/Syrosingopine künftig für die Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten nutzen zu können? Dazu die Einschätzung von Don Benjamin: „Syrosingopine ist ein Wirkstoff, der gegen Bluthochdruck wirkt. Unsere Studie hat gezeigt, dass die Eigenschaft als Blutdrucksenker für seine Wirksamkeit als Anti-Krebsmittel unerheblich ist. Eine nützliche Entwicklung wäre, wenn es uns gelingen würde, Syrosingopine-Derivative zu finden, die eine krebshemmende Eigenschaft haben, zugleich aber nicht den Blutdruck senken.“

Ein Forscherteam des Biozentrums der Universität Basel beschreibt einen Kombiwirkstoff gegen #Krebs. http://bit.ly/2joijNn #iph
Kombinationstherapie_Krebs
Illustration der Anti-Krebs-Wirkung der Arzneimittelkombination.
 

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