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6. Februar 2017

Kolumne: Eine mutige Initiative

Die Kluft zwischen erster und dritter Welt in der Gesundheitsversorgung zeigt sich kaum irgendwo so deutlich wie in der Krebsbehandlung. Die City Cancer Challenge soll die Situation in Entwicklungsländern verbessern.

In Australien oder der Schweiz werden Brustkrebspatientinnen in der Regel innert weniger Wochen nach der Diagnose operiert, erhalten Strahlen- und, insoweit dies aufgrund der Pathologie als notwendig erachtet wird, auch eine Chemotherapie. Ganz anders n der Fünfmillionenstadt Yangoon in Myanmar. Dort sind zehn Monate Wartezeit auf die Bestrahlung die Regel. Und weil aufgrund fehlender Aufklärung über die Früherkennung von Symptomen, dem Fehlen von Screening-Programmen, Defiziten in Diagnose und Laboreinrichtungen der Krebs oft erst spät erkannt wird, sind auch die Prognosen entsprechend schlecht. Die Kluft zwischen erster und dritter Welt in der Gesundheitsversorgung zeigt sich kaum irgendwo so deutlich wie in der Krebsbehandlung. Während Krebs mit steigender Lebenserwartung immer mehr eine Belastung für die Gesundheitssysteme in Industrie- wie Entwicklungsländern ist, sind die Überlebenschancen in reichen Ländern wie der Schweiz, den USA oder Australien deutlich besser als in Myanmar. Wer denkt, der Zugang zu moderner Medizin, sei vor allem eine Frage des Preises, verkennt die Komplexität des Problems. Da kommt vieles zusammen: das Nichtwissen um die Symptome, das Fehlen moderner Diagnoseinstrumente, bildgebender Verfahren, moderner Labors oder schlicht von Fachpersonal. Wer es sich leisten kann – und das ist in Myanmar nur eine kleine Oberschicht – lässt sich in Singapur behandeln, im Land selbst gibt es eine Privatklinik, das Gros der Bevölkerung hat keine Option als zu warten.

Initiative soll Versorgung verbessern

Dass dies nicht so bleiben darf, ist die Überzeugung einer von der Union for International Cancer Control (UICC) lancierten Partnerschaft, die am WEF in Davos und letzte Woche in Genf offiziell lanciert wurde. Unter dem Dach des C/Can 2025: City Cancer Challenge haben sich so unterschiedliche Organisationen wie die Weltbank, das World Economic Forum (WEF), das National Cancer Institute der USA, die Gesellschaft der amerikanischen Onkologen, ASCO, und Access Accelerated, eine vom Weltpharmaverband IFPMA betreute Initiative von 22 globalen forschenden Pharmafirmen, zu denen auch Novartis und Roche gehören, zusammengefunden. Wenn man an die Komplexität moderner Krebstherapien denkt und an die Kluft in der Infrastruktur zwischen arm und reich, mag man es als mutig empfinden, was sich dieses Konsortium vorgenommen hat: nichts weniger als eine deutliche Reduktion vermeidbarer Todesfälle an Krebs bis zum Jahre 2025. Aber wer wenn nicht die UICC, mit Sitz in Genf und weltweit über 1000 Mitgliedsorganisationen von Spezialisten und Krebsligen, ist besser geeignet für die Federführung in einer Initiative, bei der alle Beteiligten viel Respekt für die anstehenden Herausforderungen haben. Entsprechend beginnt man mal schrittweise, indem im nächsten Jahr Pilotprojekte für „state of the art“-Krebszentren in drei fünf Millionenstädten in Entwicklungsländern lanciert werden. Dazu haben sich letzte Woche Vertreter und Vertreterinnen aus Yangoon (Myanmar), Cali (Kolumbien) und Asuncion (Paraguay), den ersten drei „key learning cities“, erstmals an einem Workshop in Genf mit Experten der Partnerorganisationen getroffen,  um das Projekt anzustossen. Die nun gestartete Initiative ist auch aus Industriesicht ein Novum. Während in der Vergangenheit zahlreiche Pharmafirmen eigene Access-Programme lanciert hatten, geschieht dies nun erstmals im grossen Verbund. Man kann der Initiative nur Erfolg wünschen.

C/Can 2025: Die City Cancer Challenge soll die Versorgung bei Krebs in Entwicklungsländern verbessern. http://bit.ly/2l9Woyv #iph
Thomas Cueni Kolumne farbig
 

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