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7. Februar 2017

Darm ist nicht gleich Darm

Die Zusammensetzung der Bakterienkultur im Magen-Darm-Trakt hat einen Einfluss darauf, wie oft Menschen einen Herzinfarkt erleiden und welche Komplikationen dabei auftreten. So die Erkenntnis eines schweizerisch-amerikanischen Forscherteams.

Menschen haben in Magen und Darm eine grosse Zahl von Bakterien, welche die Nahrung zersetzen. Die Zusammensetzung dieser Bakterienkultur ('Mikrobiom') ist von Mensch zu Mensch verschieden, wie Prof. Thomas F. Lüscher, Direktor der Klinik für Kardiologie am Universitätsspital Zürich, sagt: „Die Zusammensetzung des Mikrobioms wird primär von der Mutter bestimmt, nämlich über die Muttermilch beim Stillen. Zudem geht die Wissenschaft davon, dass das Mikrobiom dann später auch durch die individuelle Ernährung verändert werden kann.“ Lüscher hat nun im Rahmen eines schweizerisch-amerikanischen Forschungsprojekts herausgefunden, dass die Zusammensetzung des Mikrobioms einen entscheidenen Einfluss auf Entstehung und Verlauf von Herzinfarkten hat.

Metabolit TMAO im Fokus

Die beteiligten Forscherinnen und Forscherinnen richteten in ihrer Studie das Augenmerk auf das Abbauprodukt TMAO (kurz für Trimethylamin-N-Oxid). TMAO entsteht im Darm beim Abbau von Lecithin und anderen Substanzen, die in Fleisch, Eiern und fettreichen Milchprodukten enthalten sind. Die Wissenschaftler bestimmten bei 2000 Infarkt-Patientinnen und -Patienten den Blutspiegel von TMAO und gelangten dabei zur Erkenntnis, dass eine erhöhte Konzentration des Stoffs zu einem erhöhten Risiko für einen weiteren Herzinfarkt führt. Darüber hinaus kommt es bei hoher TMAO-Konzentration häufiger zu Komplikationen nach dem Herzinfarkt, wie die Autoren im 'European Heart Journal' schreiben.

TMAO unterbinden

Die Forscher gehen davon aus, dass die TMAO-Konzentration einerseits durch die Ernährung, andererseits durch die Zusammensetzung der Darmflora beeinflusst wird. US-amerikanische Patienten verfügten durchschnittlich über einen höheren TMAO-Gehalt im Blut als Schweizer Patienten. Das führen die Studienautoren darauf zurück, dass die Amerikaner im Durchschnitt mehr Produkte verzehren, die in das Stoffwechselprodukt TMAO umgesetzt werden. Wie das Essverhalten den TMAO-Spiegel beeinflusst, müssen weitere Studien zeigen. Aus der Forschung könnte mittelfristig auch eine neues Medikament hervorgehen. Stanley L. Hazen, Co-Autor der Studie, ist nämlich einem Wirkstoff auf der Spur, welcher die bakterielle Produktion von TMAO hemmt. „Die anstehenden Untersuchungen im Tiermodell werden zeigen, ob es gelingt, die Produktion dieses für Herz-Kreislauf-Patienten gefährlichen Stoffwechselprodukts einzuschränken und daraus ein wirksames und sicheres Medikament zu entwickeln“, so Thomas F. Lüscher.

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Prof. Dr. Thomas F. Lüscher
Prof. Dr. Thomas F. Lüscher
 

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