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15. Februar 2017

Nützliche Entzündung

Nahrung ist für den menschlichen Organismus überlebenswichtig, aber auch eine Bedrohung, denn sie enthält mitunter Krankheitserreger. Ein Basler Forscherteam hat neue Facetten entdeckt, wie sich der Körper gegen diese Bedrohung wappnet.

Wenn wir eine Mahlzeit zu uns nehmen, denken wir normalerweise nicht daran, dass das Essen Keime enthält, also Bakterien und Viren, die mitunter Krankheiten hervorrufen können. Trotz dieser Keime werden wir in aller Regel durch Essen nicht krank, denn unser Immunsystem ist darauf trainiert, möglicherweise schädliche Keime zu erkennen und zu bekämpfen, wie PD Dr. Marianne Böni vom Departement Biomedizin von Universität und Universitätsspital Basel erläutert: „Zur Abwehr der Keime muss das Immunsystem in Stellung gebracht werden, indem es mit der nötigen Energie versorgt wird. Bei diesem Aktivierungsprozess arbeiten der Botenstoff Interleukin-1 beta und das Hormon Insulin zusammen und versorgen die Abwehrzellen unseres Körpers mit dem nötigen Treibstoff, der Glukose.“ Marianne Böni ist Teil eines Forscherteams um Chefarzt Prof. Marc Donath, das nun neue Erkenntnisse über die molekularen Prozesse während der Immunabwehr gewonnen hat. Die Ergebnisse sind kürzlich in der Fachzeitschrift 'Nature Immunology' erschienen.

Über- und Unterversorgung schaden

Die Energiezufuhr in Form von Glukose, wie sie in der Nahrung enthalten ist, ist also von zentraler Bedeutung für die Immunabwehr. Sie versetzt das Immunsystem nach der Nahrungsaufnahme 'in Bereitschaft', um potenzielle Krankheitskeime abwehren zu können. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass sowohl eine Über- wie auch eine Unterversorgung mit Nahrung negativen Folge für das Immunsystem haben können, wie die Basler Zellbiologin Böni ausführt: „Bei andauernder Überversorgung mit Nahrung ist die Aktivierung des Immunsystems dann nicht mehr nur vorübergehend, sondern bleibt dauerhaft bestehen, was zu einer chronischen Entzündung führt.“ Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von einer sogenannten "Low-grade-Entzündung“, also einer schwach ausgeprägten Entzündung. Der permanente Entzündungszustand in Gewebe und Blut fördert das Entstehen von Zuckerkrankheit (Diabetes) oder Artheriosklerose. Wenn Menschen umgekehrt zuwenig Energie über die Nahrung aufnehmen, wie das bei Unterernährung der Fall ist, hat das Abwehrsystem zuwenig 'Treibstoff', um adäquat auf Infektionen zu reagieren.

Entzündung blockieren

Beim gesunden Menschen ist die leichte, temporäre Entzündung nicht schädlich, sondern Mittel einer wirksamen Abwehr von Fremdkörpern. Die Erkenntnisse das Basler Wissenschaftlerteams stellen aber auch Grundlagen für die Entwicklung neuer medizinischer Wirkstoffe bereit. „Seit mehr als zehn Jahren wird an Therapien gearbeitet, wo man die chronische Entzündung blockiert, um Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten entgegenzuwirken“, sagt Marianne Böni. „Daher ist es wichtig zu verstehen, wie diese leichte und nicht schädliche Entzündung nach dem Essen entsteht, wofür sie nötig ist und wie und warum sie bei übermässigem Nahrungskonsum chronisch und dann schädlich werden kann.“ Sinnvoll ist natürlich, die Entstehung einer chronischen Entzündung von Beginn weg zu vermeiden. Der wirksamste Schritt ist der Verzicht auf übermässige Nahrungszufuhr.

Ein Basler Forscherteam zeigt, warum leichte #Entzündungen nach dem #Essen hilfreich sind. http://bit.ly/2kRZplJ #iph
Der Botenstoff Interleukin-1 beta und das Hormon Insulin versorgen die Immunzellen mit Glukose
Der Botenstoff Interleukin-1 beta und das Hormon Insulin versorgen die Immunzellen mit Glukose
 

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