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7. März 2017

Links oder rechts

Ob Menschen Rechts- oder Linkshänder sind, entscheidet sich möglicherweise nicht im Gehirn, sondern im Rückenmark. Darauf lassen die Ergebnisse einer Studie von Forschern aus Deutschland, den Niederlanden und Südafrika schliessen.

Rechtshändigkeit ist deutlich stärker verbreitet als Linkshändigkeit. Warum dies so ist, konnte die Wissenschaft bisher nicht klären, wie Judith Schmitz von der Abteilung Biopsychologie der Universität Bochum sagt: „Die Händigkeit eines Menschen hängt von vielen Faktoren ab. Hierunter fallen genetische Faktoren (laut Zwillingsstudien ca. 25%) und Umweltfaktoren (ca. 75%). Warum die Verteilung der Händigkeit so stark zu Gunsten der Rechtshänder ausfällt, fangen wir gerade erst an zu verstehen.“ Judith Schmitz hat nun im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekts neue Erkenntnisse gewonnen, in welcher Region des Körpers die Ursachen der Händigkeit liegen könnten. Über die Resultate berichten die Wissenschaftler in der Zeitschrift 'E-Life'.

Zellen aus dem Rückenmark

Nach den Ergebnissen der Studie gibt es starke Hinweise, dass es körperliche Vorgänge im Rückenmark sind, die während der Embryonalentwicklung über die Händigkeit eines Menschen entscheiden. Die Wissenschaftler untersuchten in acht bis zwölf Wochen alten Embryos die Aktivität von Genen in Zellen des Rückenmarks, und zwar in jenen Segmenten des Rückenmarks, die die Bewegungen der Arme und Beine steuern. Die Forscher stellten dabei fest, dass Gene auf der linken Seite des Rückenmarks aktiver (bzw. weniger aktiv) waren als Gene auf der rechten Seite des Rückenmarks. Die unterschiedliche Aktivität dürfte nach Auskunft der Forscher in epigenetischen Faktoren begründet liegen. Diese Faktoren spiegeln die Einflüsse durch die Umwelt wider.

Erklärung für Asymmetrie

Die Ergebnisse könnten zu einem neuen Verständnis von asymmetrischen Körper- bzw. Gehirnfunktionen führen, sagen die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Dazu Judith Schmitz: „Bereits in den 1980er Jahren haben Ultraschallstudien an Schwangeren die Vermutung nahegelegt, dass es einen Mechanismus im Rückenmark geben muss, der über Links- und Rechtshändigkeit des Embryos entscheidet. Im Gegensatz zu unserer Studie wurden damals aber noch keine Vermutungen über den genauen Mechanismus angestellt, der die Händigkeit hervorruft“, sagt Judith Schmitz, „auch wurden seinerzeit die Zusammenhänge noch nicht empirisch untersucht.“ Ob tatsächlich das Rückenmark über die Händigkeit entscheidet, müssen weitere Studien klären.

Forscherteam vermutet, über die Links- oder Rechtshändigkeit eines Menschen werde im #Rückenmark entschieden. http://bit.ly/2mw8cv0 #iph
Judith Schmitz und PD Dr. Sebastian Ocklenburg von der Universität Bochum
Judith Schmitz und PD Dr. Sebastian Ocklenburg von der Universität Bochum
 

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