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8. März 2017

Abstossung voraussehen

Für den Erfolg von Transplantationen ist es zentral, dass das Spenderorgan nicht abgestossen wird. Ein Forschungsprojekt mit Basler Beteiligung arbeitet an einem neuen Diagnose-Werkzeug, das künftig helfen könnte, Abstossungsreaktionen zu vermeiden.

An dem Projekt „TRIDIAG – neue Diagnostik-Tools in der Transplantationsmedizin“ sind Forscherinnen und Forscher aus Basel, Freiburg, Heidelberg, Mainz und Strassburg beteiligt. Ihr gemeinsames Ziel: Abstossungsreaktionen nach Blutstammzell- oder Nierentransplantation zu reduzieren und so das langfristige Überleben der Patientinnen und Patienten zu sichern. Damit ein transplantiertes Organ nicht abgestossen wird und damit Immunzellen aus neu transplantierten Blutstammzellen die Organe des Empfängers nicht als fremd erkennen und angreifen (sogenannte Graft-versus-Host-Erkrankung), müssen bestimmte genetische Merkmale zwischen Spender und Empfänger übereinstimmen. Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahren ein Protein mit dem Namen MICA entdeckt, das für Abstossungsreaktionen von grosser Bedeutung ist: Haben Spender und Empfänger identische MICA-Varianten, sind Abstossungsreaktionen bis zu 20% weniger häufig als bei unterschiedlichen MICA-Varianten.

Grad der Abstossung

Warum ist MICA für den Erfolg von Transplantationen so bedeutsam? Dazu die Erklärung von Claudia Lengerke, Professorin für Hämatologie und Stammzellforschung an der Universität Basel und Leitende Ärztin am Universitätsspital Basel: „MICA gehört zur Gruppe der MHC-Proteine. Diese sorgen dafür, dass Immunzellen fremde Strukturen in menschlichen Zellen erkennen und eliminieren können. Fremde Strukturen werden in Zellen durch Infektion oder Entartung hervorgerufen, treten jedoch auch natürlich nach Transplantationen auf, wenn sich Spender- und Empfängerorganismus in bestimmter Art unterscheiden. Die Expression von MHC (und voraussichtlich MICA) auf Spender- versus Empfängerzellen bestimmt daher massgeblich den Grad der möglichen Abstossungsreaktionen nach der Transplantation eines fremden Organs.“

Genaue Prognosen

Ein Hauptziel der Forschungskooperation ist nun zu untersuchen, inwieweit sich über den Nachweis von Unterschieden in MICA und von Anti-MICA-Antikörpern im Blut von Spendern und Empfängern die Erfolgschancen einer Transplantation voraussagen lassen. „Unser Projekt in Basel konzentriert sich auf die Analyse von Patienten, die von Fremdspendern Blutstammzellen erhalten“, sagt Claudia Lengerke. „Wir untersuchen die prognostische Aussagekraft von Anti-MICA-Antikörpern im Serum und von genetischen Unterschieden in MICA-Molekülen. Uns interessiert, wie solche Unterschiede die spätere Entwicklung der Transplantat-Abstossung oder Graft-versus-Host-Krankheit beeinflussen.“ Die Basler Forscherin weist darauf hin, dass MICA nicht der einzige Einweissstoff ist, der die beschriebenen Prozesse beeinflusst. Auch sei nicht für jeden Empfänger ein hinreichend fein abgestimmter Spender verfügbar. „Wir erwarten, dass die Ergebnisse dieses Projekts bei manchen, aber nicht bei allen Patienten, die ein fremdes Transplantat benötigen, die Rate der Abstossungsreaktionen und der Graft-versus-Host Erkrankung vermindern und zu einer Verbesserung des Überlebens beitragen.“

Ein französisch-deutsch-schweizerisches Forscherteam will Abstossung von #Spenderorganen vermindern. http://bit.ly/2ncPcyo #iph
Prof. Claudia Lengerke
Prof. Claudia Lengerke, Basel
 

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