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9. März 2017

Dank den Bilateralen in der Champions League

Die bilateralen Verträge mit der EU umfassen auch ein Abkommen über die Forschungszusammenarbeit. Damit erhält die Schweiz Zugang zu den europäischen Forschungsrahmenprogrammen, der Champions League der Forschung. Ein Gewinn auf ganzer Linie.

Forschung war schon seit jeher nicht an nationale Grenzen gebunden. Heute werden Forschungsprojekte in der Regel als Kooperationen verschiedener Hochschulen aus dem In- und Ausland durchgeführt. Die Schweiz hat mit ihren renommierten Universitäten und den beiden ETHs einen guten Ruf und spielt an vorderster Front mit. Das ist nur möglich dank dem Zugang zu den europäischen Forschungsrahmenprogrammen (FRP), die von der EU finanziert und koordiniert werden. Seit 2004 ist die Schweiz ein vollassoziiertes Mitglied dieser Programme und hat damit dieselben Rechte und Pflichten wie EU-Mitgliedstaaten auch. Möglich wurde dies dank dem Forschungsabkommen zwischen der Schweiz und der EU, das Teil der bilateralen Verträge I ist.

Die Schweiz profitiert finanziell

Die Schweiz finanziert die FRP mit und Forscherinnen und Forscher aus der Schweiz können sich um Fördergelder bewerben. Im 7. FRP, das von 2007 bis 2013 dauerte, war die Schweiz überdurchschnittlich erfolgreich im Einholen von europäischen Fördergeldern. Das ist nur möglich dank den exzellenten Forschungsinstitutionen, denn die europäischen Fördergelder werden von allen beteiligten Ländern verhältnismässig bezahlt, aber nur die Besten können sie wieder abholen resp. mehr abholen, als einbezahlt wurde. Bei der Schweiz ist genau das der Fall: Insgesamt flossen Forschungsmittel in der Höhe von fast 2.5 Milliarden Franken von der EU in die Schweiz. Zieht man die zuvor von der Schweiz geleisteten Beiträge an die EU ab, erhielt die Schweiz 219 Millionen Franken mehr, als sie einbezahlt hat. Mehr als 4‘200 Forschungsprojekte mit Schweizer Beteiligung fanden im Rahmen des 7. FRP statt, fast ein Viertel davon wurde von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Schweizer Hochschulen geleitet.

Bei den sogenannten ERC-Grants des Europäischen Forschungsrats, mit denen herausragende junge Forscherinnen und Forscher Teams aufbauen können, verzeichnete die Schweiz gar die europaweit höchste Erfolgsquote. Diese Förderbeiträge gelten als ganz besonders prestigeträchtig und die geförderten Projekte werden mit je rund 2.5 bis 3.5 Millionen Franken unterstützt.

Rückgang der Forschungsprojekte wegen Zuwanderungsinitiative

Mit der Annahme der Zuwanderungsinitiative im Februar 2014 wurde diese Erfolgsgeschichte unterbrochen: Weil die Schweiz im Nachgang der Abstimmung das sogenannte Kroatien-Protokoll, mit dem die Personenfreizügigkeit auf das neue EU-Mitglied Kroatien ausgedehnt worden sollte, nicht unterzeichnete, schloss die EU die Schweiz aus dem Forschungsrahmenprogramm „Horizon 2020“ aus. Die Schweiz war damit nicht mehr wie seit 2004 vollassoziiert, sondern wurde in den Status einen Drittstaates zurückgestuft. Das bedeutete, dass die Schweiz zwar an gewissen Teilen des Programms weiterhin teilhaben konnte, an anderen hingegen nicht. So war die Schweiz beispielsweise von einem Programmteil ausgeschlossen, der sich speziell an KMU richtete. Zwar gelang es dem Bundesrat, in relativ kurzer Zeit wenigstens noch eine Teilassoziierung auszuhandeln. Die Zahl der Schweizer Beteiligungen ging aber zwischen 2013 und 2015 von 745 auf rund 300 zurück. Zudem gab es praktisch keine Forschungsprojekte unter Schweizer Leitung mehr. Dank der pragmatischen Umsetzung der Zuwanderungsinitiative ist die Schweiz seit dem 1. Januar 2017 nun wieder vollassoziiertes Mitglied von Horizon 2020.

Schweiz als Topscorer in der Champions League

Das ist für den Forschungsplatz Schweiz enorm wichtig, nicht nur, weil die Schweizer Institutionen von EU-Geldern profitieren. Zentral sind auch der Austausch mit den Forschungskollegen aus anderen Ländern und das Netzwerk, das an Horizon 2020 hängt. Dieser Austausch ist zentral für die Exzellenz des Wissenschaftsstandorts Schweiz. Die Schweiz hat von den europäischen Forschungsprogrammen nicht nur finanziell profitiert, sondern auch vom damit verbundenen Netzwerk. Denn die europäischen FRPs sind die gegenwärtig weltweit wichtigsten Forschungskooperationsprogramme. Während der Schweizerische Nationalfonds in der Schweiz die Superleague fördert, fördert die EU mit den FRPs die Champions League. Die Schweiz spielt dabei dank den Bilateralen ganz vorne mit. Mit der erneuten Vollassoziierung seit Anfang diesen Jahres stehen die Chancen gut, dass der Schweizer Forschungsplatz nach dreijähriger Durststrecke wieder zu den Topscorern avancieren wird.

Broschüre: Gute Gründe für eine konstruktive Europapolitik

Dank den Bilateralen kann die Schweiz in der Champions League der Forschung mitspielen. http://bit.ly/2ngW7a3 #iph
Mann im Labor
 

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