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20. März 2017

Kolumne: Mythen und Fakten

Obwohl ein grosser Teil der Gesundheitsausgaben auf Spitäler, Ärzte, anderes Gesundheitspersonal und Dienstleistungen entfällt, steht meist die Pharma im Fokus der Kostendiskussion.

Das ist insofern nachvollziehbar, als der Diskurs über den fairen Preis für innovative Produkte viele Facetten und Sichtweisen beinhaltet. Verlässt man die Froschperspektive und blickt auf das Ganze, lassen sich aber Mythen und Fakten sehr wohl voneinander trennen.

Stabile Medikamentenausgaben

Ein Mythos ist, dass Arzneimittel die wesentlichen Kostentreiber im Gesundheitswesen sind. Fakt ist, dass der Anteil der Medikamente in den Industriestaaten je nach Land nur gerade zehn bis fünfzehn Prozent der Gesundheitsausgaben ausmacht. Und der Kostenanstieg der Medikamente ist trotz hoher Innovation unterdurchschnittlich. Pascal Strupler, als Direktor Bundesamt für Gesundheit sicher kein Freund der Pharmaindustrie, hielt dazu in der letzten Ausgabe des Magazins „Die Volkswirtschaft“ fest: „Einzig im Bereich «Medikamente» blieben die Kosten stabil: Die Arzneimittelkosten (Arzt und Apotheke) pro Kopf veränderten sich zwischen 2009 und 2015 kaum.“ Dennoch hält sich der der Mythos der Medikamente als wichtigste Kostentreiber, was unweigerlich zu Rationierung und Zweiklassenmedizin führe. Dies gilt ebenso für den Mythos, dass die Gesellschaft im Grunde genommen zweimal für neue Medikamente zahle - zum einen indem ein grosser Teil der Forschung vom Staat finanziert werde, zum andern für die „überteuerten“ Medikamente. Tatsächlich steht die Grundlagenforschung an Universitäten am Ursprung neuer Ansätze im Kampf gegen Krebs und viele andere Krankheiten, der grosse Teil der Forschungsinvestitionen ist jedoch privat finanziert– gerade auch in der Schweiz. Kritiker übersehen gerne, dass der teure und risikoreiche Teil nicht in der Grundlagenforschung sondern in der Entwicklung eines neuen Medikaments, das heisst in der klinischen Forschung liegt.

Risikoreiche Forschungsgebiete

Ein anderer Kritikpunkt betrifft die “exzessiven” Gewinne der grossen Pharmafirmen. Tatsächlich sind erfolgreiche Pharmafirmen sehr profitabel und ein Durchbruch, wie er etwa in der Behandlung von Hepatitis C erreicht wurde, wo heute rund 95 Prozent der Patienten in acht bis zwölf Wochen geheilt werden, schlägt sich in den Geschäftszahlen nieder. Auf der andern Seite ist die Profitabilität der Pharmafirmen in den letzten zwanzig Jahren insgesamt eher gesunken. Gründe sind die nach wie vor steigenden Forschungskosten für die Entwicklung eines neuen Medikaments, die Verlagerung auf schwierigere, risikoreichere Forschungsgebiete, aber auch der Wettbewerb und Preisdruck - nicht erst nach Patentablauf, sondern schon während der Patentlaufzeit. Blockbuster, also Medikamente mit einem Jahresumsatz von mehreren Milliarden, sind seltener geworden und die Rendite auf den Forschungsinvestitionen ist gemäss einer Studie von Deloitte zwischen 2010 und 2015 von 10 auf 4,2 Prozent gefallen.

Sicher, die Industrie muss sich der Kritik stellen. Soll sie aber weiterhin Beiträge zur Bewältigung der Gesundheitsprobleme leisten, sei es in der Erforschung von Alterskrankheiten wie Demenz oder in der Entwicklung neuer Impfstoffe und Medikamente, ist es hilfreich, die Diskussionen sachlich zu führen und dabei Mythen und Fakten tunlichst auseinanderzuhalten.

In gesundheitspolitischen Diskussionen wird erstaunlich oft vereinfacht. Dies gilt besonders für #Arzneimittel. http://bit.ly/2mZoKcS #iph
Thomas Cueni Kolumne farbig
 

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