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3. April 2017

Kolumne: Angkor Wat für Kantha Bopha

Ohne Beat Richner, Beatocello, gäbe es die Kantha Bopha-Spitäler nicht. Entsprechend betroffen machte mich letzte Woche die Nachricht von seiner Erkrankung. Erst einige Tage zuvor hatte ich nämlich das Kinderspital von Siem Reap besuchen können.

Kantha Bopha ist in der Schweiz ein Begriff. Unermüdlich ist Beat Richner, Kinderarzt, Cellist und begnadeter Fundraiser, seit über 20 Jahren für sein Lebenswerk unterwegs. Schon vor der Schreckensherrschaft der Khmer Rouge war er im Kinderspital in Phnom Penh tätig gewesen, musste fliehen und kehrte  1991 zurück. Die „Stiftung Kinderspital Kantha Bopha Dr. med. Beat Richner”, die in Kambodscha fünf Kinderspitäler in Phnom Penh und Siem Reap betreibt, heisst zu Recht so, denn ohne Richner gäbe es die Spitäler nicht. Entsprechend betroffen machte mich letzte Woche die Nachricht von seiner Erkrankung, die ihn zur Aufgabe der Spitalleitung zwang. Erst einige Tage zuvor hatte ich nämlich das Kinderspital von Siem Reap besuchen können.

Von einer Mission erfüllt

Konsequent und von einer Mission erfüllt, hat Richner über die Jahre unermüdlich seine Kinderspitäler ausgebaut und dafür in der Schweiz wie in Kambodscha gekämpft. Überzeugt, dass Kinder in einem der ärmsten Länder der Welt Anspruch auf eine kostenlose und gute medizinische Versorgung haben, legte er sich mit fast allen an, die in der Gesundheitspolitik das Sagen haben: WHO, Global Fund, BAG, Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) oder auch grossen Pharmafirmen. Für den Vorwurf, Erstweltmedizin könne in einem Drittweltland nicht nachhaltig angeboten werden, hatte er nie Verständnis. So bekommt die DEZA auch nach 20 Jahren noch ihr Fett ab, weil sie trotz massiv gestiegenen Patientenzahlen und einer positiven Beurteilung der Spitäler ihren Beitrag an Kantha Bopha weiterhin bei vier Millionen Franken pro Jahr belässt.

Dieser Konfliktlinien war ich mir vor meinem Besuch im Kantha Bopha-Spital in Siem Reap sehr wohl bewusst. Doch was ich sah, verdient Respekt, ja Bewunderung. Das Spital verfügt über moderne Geräte wie MRI und CT-Scanner, aber von Luxus kann keine Rede sein. Klimatisiert sind nur Labors und Operationssäle, nicht aber die Bettensäle. Die Kantha-Spitäler decken über 80 Prozent der Behandlungen ernsthaft erkrankter Kinder in Kambodscha ab, behandeln im Jahr über 130’000 Kinder stationär, fast 800’000 ambulant. Dank der Geburtenabteilung in Siem Ream konnte etwa die Übertragung von HIV/AIDS von der Mutter auf das Kind von 35 auf unter 2 Prozent gesenkt werden.

Innovative Finanzquelle

Zwar werden nach wie vor über 30 Millionen Franken des Budgets der Stiftung von rund 40 Millionen Franken durch Spenden* aus der Schweiz gedeckt. Doch hat der kambodschanische Staat den Beitrag an die Kantha Bopha-Spitäler im letzten Jahr von drei auf sechs Millionen Franken erhöht. Obwohl von der Stiftung geführt, sind die Spitäler in das kambodschanische Gesundheitssystem integriert. Und das Land ist offensichtlich stolz auf Kantha Bopha. Anders kann die jüngst erschlossene innovative Finanzquelle nicht interpretiert werden: Seit zwei Monaten fliessen von jedem Eintritt in die Kulturdenkmäler von Angkor Wat zwei Dollar an die Finanzierung von Kantha Bopha. Das waren allein im Februar rund eine halbe Million Dollar zusätzlich. Das allein reicht natürlich noch nicht. So kam bei meinem Besuch auch der Wunsch nach Unterstützung zur Reduktion der Medikamentenkosten deutlich zum Ausdruck. Aber die Entwicklung und das Bekenntnis des Landes zu den Kantha Bopha-Spitälern sind ein Schritt auf dem Weg zur Nachhaltigkeit und es ist zu hoffen, dass die Schweiz auch weiterhin einen wichtigen Beitrag leistet.

Von jedem Eintritt in die Kulturdenkmäler von #AngkorWat fliessen zwei Dollar an die #KanthaBopha-Spitäler. http://bit.ly/2ozC2gJ #iph
Thomas Cueni Kolumne farbig
 

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