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5. April 2017

Hoher Blutdruck bei HIV

Eine Studie des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH) in Tansania zeigt: HIV-Patienten über 15 Jahre haben häufig Bluthochdruck. Und: Die Häufigkeit der Krankheit nimmt nach Beginn einer antiretroviralen Therapie zu.

Menschen in Tansania erkranken zehn bis 15 mal häufiger an einer Infektion mit dem HIV-Virus als Menschen in der Schweiz. Nun zeigt eine Studie, die Swiss TPH mit Partnerinstitutionen aus Tansania, Spanien und der Schweiz durchgeführt hat, dass Menschen in dem afrikanischen Land noch in einer zweiten Hinsicht ungünstig betroffen sind: Sie leiden an einer hohen Prävalenz für Bluthochdruck bei der HIV-Diagnose und einer hohen Inzidenz nach dem Start einer antiretroviralen Behandlung. Ausgedrückt in Zahlen: Rund 12% der Menschen mit einer HIV-Infektion in ländlichen Gegenden Tansanias leiden zum Zeitpunkt der HIV-Diagnose an Bluthochdruck. Weitere 10% entwickeln die Erkrankung in den ersten Monaten ihrer antiretroviralen Therapie. Damit ist das Vorkommen von Bluthochdruck nach Therapiebeginn in Tansania 1,5 mal höher als in europäischen Ländern oder in den USA. Darüber berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift PLOS ONE.

Gesundheitlich geschwächt

Die Forscher haben 955 HIV-Infizierte in ihre Längsschnittstudie einbezogen. Warum aber führt der Beginn einer antiretroviralen Therapie (ART) in dem afrikanischen Land deutlich häufiger zu einem hohen Bluthochdruck als in Europa und den USA? Dazu die Erklärung von Studienleiter Dr. Emilio Letang, der für das Swiss TPH und für das Barcelona Institute for Global Health tätig ist: „Zum einen scheinen Menschen der afrikanischen Ethnie eine genetische Prädisposition für die Entwicklung von Bluthochdruck zu haben. Überdies wird bei manchen Menschen aus Regionen südlich der Sahara HIV diagnostiziert, wenn sie an Krankheiten in fortgeschrittenem Stadium leiden, was oft mit einem tiefen Body-Mass-Index (BMI) einhergeht. Starke Schwankungen des BMI und Entzündungen während der Therapie tragen möglicherweise zu der hohen Inzidenz für Bluthochdruck in dieser Bevölkerungsgruppe bei“, vermutet Letang.

Bluthochdruck rechtzeitig erkennen

Die Autoren der Studie empfehlen die Einführung von routinemässigen Bluthochdruck-Screenings in HIV-Kliniken. Damit soll das Auftreten von Bluthochdruck frühzeitig erkannt und schnell behandelt werden können. Die beteiligten Wissenschaftler sehen eine dringende Notwendigkeit, den Zugang zu blutdrucksenkenden Medikamenten zu verbessern. „Das Gesundheitssystem in Tansania ist traditionellerweise nicht für die Behandlung Chronischkranker ausgelegt. Die HIV-Behandlung bietet eine gute Möglichkeit, nicht-ansteckende Krankheiten mit einzubeziehen. Deshalb bedarf es besonderer Anstrengungen, eine integrierte Versorgung von Patienten mit HIV-Infektionen sicherzustellen“, sagt Emilio Letang.

#HIV-Infizierte in Tansania leiden besonders oft an hohem Blutdruck, laut Studie von Swiss TPH und Partnern. http://bit.ly/2o1J6nR #iph
Bluthochdruck
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