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12. April 2017

Schutz bei Nieren-transplantation

Nach der Transplantation einer Niere kann es beim Empfänger zu einer gefährlichen Virusinfektion kommen, welche das Transplantat zerstört. Ein Basler Forscherteam hat nun neue Erkenntnise gewonnen, die helfen könnten, solche Infektionen zu vermeiden.

In den meisten Fällen verlaufen Nierentransplantationen ohne Komplikationen. In 15% aller Transplantationen kommt es jedoch zu einer Infektion mit dem sogenannten BK-Polyomavirus. Der Erreger kann beim Empfänger des Spenderorgans zu gravierenden Problemen führen: Die neue Niere versagt dann mitunter teilweise oder sogar ganz. Bisher ist kein Medikament zur Bekämpfung dieses aggressiven Virus' verfügbar. Aktuelle Erkenntnisse eines Forscherteams um Prof. Hans H. Hirsch am Departement Biomedizin von Universität und Universitätsspital Basel wecken nun aber die Hoffnung, dass die schwerwiegenden Folgen der Virusinfektion in Zukunft eingedämmt werden könnten. Über ihre Resultate berichteten die Forscher jüngst in der Fachzeitschrift 'American Journal of Transplantation'.

Abwehrmittel gegen BK-Polyomaviren

In der Studie untersuchten die Wissenschaftler das Blut von 96 Patienten – zuerst unmittelbar nach der Nierentransplantation, und dann je nochmals sechs und zwölf Monate später. 28 der Patienten litten an dem BK-Polyomavirus, die übrigen dienten als Kontrollgruppe. Auf der Grundlage der Blutuntersuchungen konnten die Forscher zeigen, dass ein bestimmter Typ von weissen Blutzellen (BK Virus-spezifische CD8 Killer T-Lymphozyten) für die Bekämpfung des gefährlichen Virus' bedeutsam sein dürfte. Dazu Prof. Hirsch: „Wir konnten bisher noch nicht direkt im Transplantat nachweisen, dass die erwähnten weissen Blutzellen die gefährlichen Viren tatsächlich eliminieren. Aber unsere jüngste Arbeit gibt starke Hinweise, dass diese Blutzellen bei der Bekämpfung der Viren eine wichtige Rolle spielen könnten.“ Um die Erkenntnisse weiter zu vertiefen, plant das Basler Forscherteam eine neue Studie, an der rund viermal mehr Personen teilnehmen werden als an der oben erwähnten Untersuchung.

Immunsystem gezielter unterdrücken

Wie bei anderen Transplantationen muss auch bei Personen, die eine Spenderniere erhalten, das Immunsystem unterdrückt werden, um eine Abstossung der Organs zu vermeiden. Durch diese Schwächung ist das Immunsystem aber weniger gut in der Lage, das BK-Polyomavirus abzuwehren. Die Erkenntnisse der jüngsten Studie werden in Zukunft helfen, hier ein optimales Gleichgewicht zu finden, also den behandelnden Ärzten zu erlauben, das Immunsystem einerseits genügend stark zu dämpfen, dass die Abstossung der Niere vermieden wird, aber andererseits noch wirksam die Abwehr des BK-Polyomavirus zu ermöglichen. Die neuen Erkenntnisse könnten ferner erstmals Impfstoffe gegen das BK-Polyomavirus hervorbringen, wie Hans H. Hirsch ausführt: „Solche Impfstoffe würden nur chemisch hergestellte Peptidfragmente verwenden und wären somit ungefährlich für immungeschwächte Patienten mit einer Spenderniere. Bei Erfolg könnten auf diese Weise auch Impfstoffe gegen andere Erreger hergestellt werden.“

Basler Forscher haben neue Erkenntnisse präsentiert, die künftig Empfänger von #Spendernieren schützen könnten. http://bit.ly/2ps0ekI #iph
Nierentransplantation
Ein Typ von weissen Blutzellen (blau) bremst vermutlich gefährliche Viren.
 

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