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5. Mai 2017

Nervenschäden vermeiden

Die Anti-MAG Neuropathie ist eine seltene Krankheit, an der in der Schweiz rund 100 Menschen leiden. Ein Basler Forscherteam verfolgt einen neuartigen Ansatz, verbunden mit der Hoffnung, die Erkrankung erstmals wirksam behandeln zu können.

Anti-MAG Neuropathie ist eine Autoimmunerkrankung, also eine Erkrankung, bei der sich die Immunabwehr nicht gegen fremde Krankheitserreger, sondern gegen den eigenen Körper richtet und diesen schädigt. Die Folgen sind Sensibilitätsverlust in Armen und Beinen, Tremor, Schmerzen und Bewegungsstörungen. Hervorgerufen werden die Symptome durch die Schädigung der peripheren Nerven. Ursächlich dafür ist eine Autoimmunreaktion, bei der körpereigene Antikörper die sogenannten MAG Proteine attackieren. Wie man aus früheren Untersuchungen weiss, schwächen sich die Krankheitssymptome bei Patientinnen und Patienten ab, wenn die anti-MAG Antikörper im Blut reduziert werden.

Schädliche Antikörper eliminieren

Wissenschaftler von Universität und Universitätsspital Basel sind nun einem neuen Behandlungsansatz gegen die Erkrankung auf der Spur. Dieser zielt darauf ab, die schädigende Wirkung der anti-MAG Antikörper zu eliminieren, indem diese durch einen massgeschneiderten Wirkstoff gebunden und so neutralisiert werden. Als Wirkstoff verwenden die Forscher ein synthetisches Glykopolymer, das die Fähigkeit hat, die schädlichen Antikörper wie ein Schwamm aufzusaugen. Die Basler Wissenschaftler konnten die Wirksamkeit dieser Methode nicht nur im Reagenzglas, sondern auch bei Versuchen mit Mäusen nachweisen. Über ihre Erfolge berichteten sie vor kurzem in der Fachzeitschrift PNAS.

Klinische Versuche ab 2019

Der neue Behandlungsansatz wurde unter Mitwirkung der Polyneuron Pharmaceuticals AG, einem 2014 gegründeten Spin-off der Universität Basel, entwickelt. Spätestens im übernächsten Jahr soll der neue Wirkstoff in klinischen Versuchen an Patienten auf seine Wirksamkeit und Sicherheit geprüft werden. Führen die Versuche zum Erfolg, wäre es das erste Mal, dass ein Glykopolymer als medizinischer Wirkstoff verwendet würde, wie Prof. Beat Ernst vom Departement für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Basel sagt: „Zwar gab es schon früher einen erfolgreichen Forschungsansatz mit einem ähnlichen Glykopolymer, der jedoch damals nicht in die Klinik führte. Die Gründe lagen aber nicht beim Polymer an sich, das ein sehr attraktives Aktivitäts- und Sicherheitsprofil aufwies.“ Die beteiligten Forscher sind überzeugt, dass sich Glykopolymere auch für die Behandlung anderer Antikörper-vermittelter Autoimmunerkrankungen wie z.B. die multifokale motorische Neuropathie oder das Guillain-Barré-Syndrom nutzen lassen.

Basler Forscher entwickeln Wirkstoff gegen eine seltene Erkrankung des peripheren Nervensystems. http://bit.ly/2pMXh1k #iph
Polyneuron Pharmaceuticals AG
Von links nach rechts: Dr. Ruben Herrendorff (CEO), Dr. Pascal Hänggi (CSO) und Prof. Dr. Beat Ernst (Chairman of the Board) von Polyneuron Pharmaceuticals AG. Das vierte Gründungsmitglied ist Prof. Dr. med. Andreas J. Steck.
 

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