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9. Mai 2017

Effizient gegen Eisenmangel

Viele Menschen leiden an einer Unterversorgung mit Eisen. Dieser Mangel kann durch ergänzende Eisenzufuhr beispielsweise über die Nahrung ausgeglichen werden. Forscher der ETH Zürich arbeiten an einem neuen, besonders wirksamen Verfahren.

Eisenmangel ist weit verbreitet, besonders bei Frauen. In Europa hat jede fünfte Frau um die 20 Eisenmangel und – als Folge davon – Blutarmut. Die Betroffenen leiden an Leistungsschwäche, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Neben einer Bevorzugung eisenhaltiger Nahrungsmittel können beispielsweise auch Eisentabletten Abhilfe schaffen. Letztere erzielen aber nicht immer das gewünschte Resultat, wie Prof. Raffaele Mezzenga vom ETH-Departement Gesundheitswissenschaften sagt: „Damit eine Eisenergänzung erfolgreich ist, muss der eingesetzte Stoff über gute organoleptische Eigenschaften (Geschmack, Geruch, Farbe) verfügen, er muss korrekt dosiert sein und vom Körper gut aufgenommen werden (hohe Bioverfügbarkeit). Die meisten verfügbaren Eisentabletten ermöglichen nur eine relativ geringe Eisenaufnahme im Blut. Die Eisenzugabe zu Nahrungsmitteln könnte eine bessere Alternative sein, wobei hier die organoleptischen Eigenschaften so beschaffen sein müssen, dass sie den Genuss der Lebensmitteln nicht beeinträchtigen.“

Eisen in Form von Nanopartikeln

Prof. Raffaele Mezzenga und Prof. Michael B. Zimmermann arbeiten nun zusammen mit einem ETH-Forscherteam an einer neuen Methode zur Eisenergänzung von Nahrungsmitteln. Dabei wird Eisen in Form von Nanopartikeln in den Körper gebracht. Die dafür verwendeten Eisenpartikel sind nur 20 Nanometer (Milliardstelmeter) gross. Als Transporthilfen für die Nanopartikel dienen ebenfalls winzig kleine, essbare Proteinfäden, die durch ein spezielles Verfahren aus Molke gewonnen wurden. Die Eisenpartikel lagern sich an den Fäden an und können so stabilisiert in den Körper gebracht werden. Unter den sauren Bedingungen des Magens verwandeln sich die Eisenpartikel in Eisenionen; in der Form gelangen sie ins Blut und führen dort zur Bildung neuer roter Blutzellen. Die ETH-Forscher konnten das neuartige Eisenpräparat in Versuchen mit Ratten erfolgreich testen, wie sie in der Fachzeitschrift 'Nature Nanotechnology' berichten.

Klinische Versuche am Menschen

Nach Auskunft der Wissenschaftler könnte das Eisenpräparat in Zukunft Nahrungsmitteln direkt beigemischt werden, entweder als Pulver oder in flüssiger Form. Geruch, Geschmack und Farbe der Lebensmittel werden dabei nicht beeinträchtigt. Bevor es soweit ist, sind aber weitere Forschungsanstrengungen nötig, wie Raffaele Mezzenga sagt: „Im nächsten Schritt wollen wir in klinischen Versuchen die Wirksamkeit der Methode beim Menschen nachweisen. Die anschliessenden Schritte werden wir mit Partnern der Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie diskutieren.“ Wann das neue Eisenpräparat – ein Erfolg der klinischen Versuche vorausgesetzt – auf den Markt kommt, ist zur Zeit noch offen, da die Zulassung von Nahrungsergänzungsmitteln genau wie jene von Medikamenten einem langwierigen Verfahren unterliegt.

Forscherinnen und Forscher der ETH Zürich haben ein neuartiges Eisenpräparat erfolgreich getestet. http://bit.ly/2pYWjPG #iph
Molkeprotein-Fäden mit Eisen-Nanopartikeln (schwarze Punkte)
Molkeprotein-Fäden mit Eisen-Nanopartikeln (schwarze Punkte)
 

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