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10. Mai 2017

Ein Gen macht resistent

Etliche Krankheitserreger, die sich früher mit Antibiotika abtöten liessen, sind heute gegen die eingesetzten Mittel resistent. Forscher der Universität Bern haben nun bei Bakterien, die auf Kühen vorkommen, eine neue Form von Resistenz entdeckt.

Es gibt Bakterien, die sind von Natur aus resistent gegen Antibiotika, beispielsweise aufgrund der robusten Struktur ihrer Zellwand. Daneben finden immer mehr Bakterien Wege, sich im Laufe der Zeit der Wirksamkeit von antibiotischen Wirkstoffen zu entziehen. „Wenn Krankheitserreger Resistenzen entwickeln, steckt dahinter eine genetische Anpassung, mit welcher sich die Bakterien einen Überlebensvorteil sichern“, sagt Vincent Perreten, Professor für Molekulare Epidemiologie und Infektionskrankheiten an der Universität Bern. Perreten hat mit Kolleginnen und Kollegen ein bei Kühen vorkommendes Bakterium untersucht und dabei ein neues, bisher unbekanntes Gen gefunden, das das Bakterium resistent macht. Über ihre Entdeckung berichten die Forscher in der Fachzeitschrift 'Scientific Reports'.

Resistent gegen beta-Laktam Antibiotika

Die Forscher des Instituts für Veterinär-Bakteriologie untersuchten Kühe, die an Euterentzündungen litten und daher mit Antibiotika behandelt wurden. Hier stiessen sie auf das Bakterium Macrococcus caseolyticus und stellten fest, dass dieses gegen beta-Laktam Antibiotika wie z.B. Penicilline und Cephalosporine resistent war. Bei ihren Untersuchungen konnten sie nachweisen, dass das neu entdeckte Gen mecD für die Resistenz verantwortlich ist. Bisher wurde das erwähnte Bakterium nur bei Tieren beobachtet. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass das für die Resistenz verantwortliche Gen auch auf menschliche Bakterien 'überspringen' könnte. Das könne im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich künftig Spitalinfektionen weniger gut bekämpfen liessen, sagen die Berner Forscher.

Auch neuste Antibiotika betroffen

Wie wahrscheinlich ein solches 'Überspringen' auf menschliche Bakterien ist, lasse sich zur Zeit schwer voraussagen, betont Prof. Perreten und ergänzt: „Vielleicht ist das fragliche Gen heute schon bei menschlichen Bakterien vorhanden: Wir sind zur Zeit damit beschäftigt, nach entsprechenden Bakterien zu suchen. Es wäre wünschenswert, dass im Rahmen des Nationalen Resistenzmonitoringprogramms Resistenzen bei Menschen und Tieren (ARCH-VET – Anresis) und des Nationalen Forschungsprogramms 72 'Antimikrobielle Resistenz' die Verbreitung und Bedeutung von mecD untersucht würde.“ Nach Auskunft des Berner Wissenschaftlers zeigt die jüngste Untersuchung insbesondere, dass die beobachtete Resistenz auch gegen die neuste Generation von beta-Laktam Antibiotika gerichtet ist. „Da kaum neue Antibiotika auf den Markt kommen, ist es notwendig, die existierende letzte Generationen von Antibiotika nur zurückhaltend und sorgfältig einzusetzen, um so die Entstehung von Resistenzen möglichst zu vermeiden“, sagt Perreten.

Berner Forscher haben ein neues Gen entdeckt, das Bakterien gegen #Antibiotika resistent macht. http://bit.ly/2q2atzG #iph
Prof. Vincent Perreten
Prof. Vincent Perreten, Universität Bern
 

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