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17. Mai 2017

Ein Atlas aus Immunzellen

Immuntherapien bei Krebs haben das Ziel, die natürliche Immunabwehr des Körpers zur Bekämpfung des Krebstumors zu nutzen. Zur Verbesserung der Immuntherapien bei Nierenkrebs, haben Forscher der Universität Zürich Millionen von Immunzellen kartiert.

Das Nierenzellkarzinom – kurz Nierenkrebs – lässt sich seit einiger Zeit mit neuartigen Immuntherpien behandeln. Wie eine solche Therapie im Prinzip funktioniert, erklärt Stéphane Chevrier vom Institut für Molekulare Biologie der Universität Zürich: „Während sich der Krebs entwickelt, werden die Immunzellen, die den Tumor eigentlich zerstören sollten, durch verschiedene Mechanismen stillgelegt. In manchen Fällen sind die Immunzellen immer noch in der Umgebung des Tumors präsent, aber nicht aktiv, weil die Tumorzellen Wege gefunden haben, diese zu inaktivieren, indem sie mit sogenannten 'Immun-Checkpoints' interagieren. Eine verbreitete Strategie von Immuntherapien besteht nun darin, die negativen Signale der Tumorzellen zu blockieren – und so die natürliche Abwehr gegen den Tumor zu reaktivieren.“

Immunzellen untersucht

Immuntherapien sind wirksam, aber nur bei einem Teil der Patienten, wie Forscher Chevrier sagt: „Etwa 25% der Patienten mit Nierenkrebs sprechen auf die neuste Immuntherapie, die auf dem Checkpoint-Hemmer PD-1 beruht, an.“ Eine neue Forschungsarbeit, die Chevrier als Erstautor mit einem Team um Prof. Bernd Bodenmiller durchgeführt hat, stellt nun neue Grundlagen für die Weiterentwicklung bestehender Immuntherapien bereit. Die Wissenschaftler haben Millionen Immunzellen von 73 Nierenkrebs-Patienten sowie fünf gesunde Nierenproben untersucht und diese nach speziellen Kriterien in Gruppen geordnet. Die Forscher interessierten sich dabei insbesondere für bestimmte Eiweissstrukturen auf der Oberfläche der Immunzellen, da diese Strukturen eine wesentliche Rolle spielen, wie die Krebserkrankung verläuft und wie ein Patient auf Immuntherapien anspricht. Über die Ergebnisse berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift 'Cell'.

Individuell behandeln

Das gewonnene Wissen über die Immunzellen ist von bisher ungekannter Genauigkeit. Es dürfte nach Auskunft der Forscher in Zukunft zu einer Verbesserung der Immuntherapien führen, indem diese genauer auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten werden können. So konnten die Wissenschaftler beispielsweise zeigen, dass sich der wichtige Checkpoint CTLA-4 nur auf den Immunzellen eines Teils der Nierenkrebs-Patienten vorhanden ist. Bei diesen Personen haben CTLA-4-Hemmer dann folglich keinen Angriffspunkt – die entsprechenden Immuntherapien können keine heilende Wirkung entfalten. Die Forscher haben in ihrer Arbeit zugleich ein neues Zielmolekül auf der Oberfläche von Immunzellen identifiziert, das künftig möglicherweise im Rahmen neuer Immuntherapien genutzt werden könnte.

Forscher der Universität Zürich wollen #Immuntherapien gegen #Nierenkrebs verbessern. http://bit.ly/2qPRUQg #iph
Die Fluoreszenzaufnahme zeigt verschiedene Typen von Immunzellen, die sich in der Mikroumgebung eines Nierentumors befinden
Die Fluoreszenzaufnahme zeigt verschiedene Typen von Immunzellen, die sich in der Mikroumgebung eines Nierentumors befinden
 

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