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19. Mai 2017

Der Anfang von Asthma

Allergische Erkrankungen wie Asthma geben der Wissenschaft immer noch Rätsel auf. Forscher der deutschen Universität Marburg haben mit deutschen und japanischen Kollegen neue Erkenntnisse zu den Ursachen dieser verbreiteten Leiden gefunden.

Asthmaanfälle führen zu einer akuten Atemnot – das wissen nicht nur die fünf bis zehn Prozent der Menschen, die an dieser chronischen, entzündlichen Erkrankung leiden. Praktisch jeder hat schon von diesem bedrohlichen Leiden gehört, das mit einer Überempfindlichkeit der Atemwege einhergeht. Woher die Überempfindlichkeit rührt, ist in der Wissenschaft noch nicht definitiv geklärt. Vieles deutet darauf hin, dass Immunzellen vom Typ Th9 für die Krankheit eine zentrale Rolle spielen, wie Lucia Campos Carrascosa von der Universität Marburg sagt: „Eine Studie konnte zeigen, dass der Anteil von Th9-Zellen im Blut von Asthmatikern deutlich erhöht ist im Vergleich zu gesunden Kontrollgruppen. Auch wenn Asthma sehr unterschiedliche Ursachen haben kann, scheinen die Immunzellen bei bestimmen Patienten von entscheidender Wichtigkeit zu sein.“

Zwei Proteine im Widerstreit

Lucia Campos Carrascosa arbeitet im Forscherteam von Prof. Dr. Magdalena Huber. Gemeinsam mit Forscherkollegen konnte sie nun in einer wissenschaftlichen Arbeit genauer bestimmen, auf welchem Weg die Th9-Immunzellen entstehen. Bei dieser Entwicklung spielen – um es stark vereinfacht darzustellen – die beiden Proteine IRF1 und IRF4 eine wichtige Rolle, indem sie in entgegengesetzter Weise auf die Th9-Zellen einwirken. Dabei besonders wichtig: Die beiden Proteine scheinen dafür verantwortlich zu sein, ob die Th9-Zellen das Zytokin IL-9 produzieren, welches über verschiedene Zwischenschritte Asthmaanfälle hervorruft. Das konnten die Forscherinnen und Forscher in Versuchen mit Mäusen zeigen. Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift 'Nature Communications'.

Weg zu einem Asthma-Mittel

Offenbar kommt es dann zu Asthma, wenn die Proteine IRF1 und IRF4 in Th9-Zellen in einem bestimmten Mengenverhältnis vorhanden sind, vermuten die Forscher auf der Grundlage ihrer bisherigen Erkenntnisse. Diese Resultate könnten neue Wege zur Behandlung von allergischen Erkrankungen wie Asthma eröffnen, sind die Wissenschaftler überzeugt. Lucia Campos Carrascosa skizziert den Weg, wie sich auf der Grundlage der aktuellen Erkenntnisse ein neues Medikament gegen Asthma entwickeln liesse: „Da wir zeigen konnten, dass der Faktor IRF1 den krankmachenden Einfluss (Pathogenität) von Th9-Zellen hemmt, wäre der nächste Schritt, die Expression von IRF1 in Th9-Zellen bei Asthmatikern zu verstärken. Dies könnte durch den Einsatz von IRF1-RNA-basierten Wirkstoffen zu erreichen sein.“

Ein deutsch-japanisches Forscherteam arbeitet an den Grundlagen einer neuen #Asthma-Therapie. http://bit.ly/2rxzXTZ #iph
Prof. Dr. Magdalena Huber u. Mitarbeiterinnen
Die Marburger Medizinprofessorin Dr. Magdalena Huber (links) und ihre Mitarbeiterinnen Anna Guralnik (Mitte) und Lucia Campos Carrascosa erforschten, wie sich Immunzellen entwickeln.
 

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