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2. Juni 2017

Die Abwehrkräfte des Fötus

Prof. Andrew Macpherson geht in seiner wissenschaftlichen Arbeit am Berner Inselspital unter anderem der Frage nach, wie der Embryo schon im Mutterleib seine Immunabwehr entwickelt. Das ungeborene Kind erhält dabei wertvolle Unterstützung der Mutter.

Mütter, die ihr Baby stillen, wissen: Neugeborene bauen ihr Immunsystem, das sie künftig gegen Krankheitskeime schützt, in den ersten Lebensmonaten nach und nach auf. Allerdings verfügen auch Neugeborene bereits über eine Immunabwehr, wie Prof. Andrew Macpherson vom Departement Klinische Forschung der Universität Bern und Direktor der Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin des Inselspitals Bern sagt: “Das Kind braucht schon vor der Geburt eine gewisse Immunität, sonst könnte es sich nicht frühzeitig vor Infektionen schützen.“ Der in Bern tätige Magen-Darm-Spezialist (Gastroenterologe) konnte in seiner Forschung zeigen, dass Moleküle aus der Darmflora der Mutter bereits während der Schwangerschaft auf den Embryo übertragen werden und dessen noch unreifes Immunsystem unterstützen. Dieser Vorgang, der während der Stillzeit weiter anhält, schafft die Voraussetzung, dass das Neugeborene dann seine eigene Darmflora aufbauen kann.

Fokus auf die Genaktivität

Um die Forschung in diesem Gebiet weiter vertiefen zu können, hat Prof. Macpherson vor kurzem eine finanzielle Förderung des Europäischen Forschungsrats (European Research Council/ERC) zugesprochen bekommen. Der 'Advanced Grant' hat einen Umfang von rund 2,5 Millionen Franken. Macpherson will mit dem Geld die genetischen und chemischen Vorgänge bei der Entstehung der Darmflora und des Immunsystems erforschen. Ein wichtiger Fokus seiner Forschung ruht auf der Frage, welche Moleküle der mütterlichen Darmbakterien welche Gene des Neugeborenen beeinflussen. Diese Untersuchungen sind der Grundlagenforschung zuzurechnen. Trotzdem deutet der britischstämmige Forscher an, welcher medizinische Nutzen dereinst aus seiner Forschung hervorgehen könnte: „Das Verständnis, wie sich das frühe Immunsystem entwickelt, ist ein wichtiger Ausgangspunkt, um Behandlungen für die Darmfunktionen bei noch nicht voll entwickelten Embryos auf die Spur zu kommen.“

Der Preis der Spitzenforschung

Welche Bedeutung hat die finanzielle Förderung durch den Europäischen Forschungsrat für den am Inselspital tätigen Chefarzt und Wissenschaftler? „Der ERC Grant ist ausserordentlich wichtig“, sagt Andrew Macpherson. „Wir können uns in der Schweiz glücklich schätzen, dass die akademische und medizinische Forschung gut unterstützt werden. Allerdings baut moderne Forschung auf Methoden, die biologische Probleme in der Tiefe chemischer Reaktionen und genetischer Kontrolle untersuchen. Solche Forschung ist extrem teuer. Ein einzelnes Experiment kann über 10'000 Fr. kosten. Vor diesem Hintergrund ist uns die Unterstützung durch den Europäischen Forschungsrat sehr willkommen.“

Wie der Embryo schon im Mutterleib seine #Immunabwehr entwickelt. http://bit.ly/2rLBRDF #iph
Prof. Andrew Macpherson
Prof. Dr. med. Andrew Macpherson, Chefarzt und Direktor der Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin am Inselspital Bern.
 

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