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16. Juni 2017

Tiefer Schlaf hält wach

Wer mit wachen Sinnen und lernfähig seinen Alltag meistern will, sollte in der Nacht tief geschlafen haben. Ein Zürcher Forscherteam konnte nun erstmals im Gehirn zeigen, dass Tiefschlaf ursächlich ist für eine bessere Lernfähigkeit.

Je tiefer ein Mensch schläft, desto schwieriger lässt er sich aufwecken. Das ist eine Erfahrung, die wir alle kennen. Wie aber lässt sich Tiefschlaf wissenschaftlich beschreiben? Dazu Prof. Reto Huber vom Kinderspital und der Kinder- und Jugendpsychiatrie Zürich: „Tiefschlaf findet vor allem in der ersten Nachthälfte statt. Wir können die Schlaftiefe elektrophysiologisch (mit EEG) messen, indem wir die langsamen Hirnstromwellen (< 4 Hz) quantifizieren. Je mehr von diesen Wellen vorhanden sind, desto tiefer schläft man.“ Reto Huber (Universität Zürich) und Prof. Nicole Wenderoth (ETH Zürich) konnten nun direkt im menschlichen Gehirn nachweisen, was schon lange vermutet wurde: Tiefschlaf ist tatsächlich die Ursache dafür, dass das Gehirn tagsüber lernfähig ist. Über seine Ergebnisse berichtet das Forscherteam in der Fachzeitschrift 'Nature Communications'.

Tiefschlaf im Experiment vermindert

Die Wissenschaftler luden 13 Frauen und Männer zu einem Experiment ein: Die Probanden sollten tagsüber verschiedene Abfolgen von Fingerbewegungen erlernen. Hatten sie zuvor tief geschlafen, meisterten sie diese Lernaufgabe problemlos. Dann aber verringerten die Wissenschaftler in der Gehirnregion, die für die Bewegungssteuerung zuständig ist (Motorcortex), durch eine akustische Manipulation den Tiefschlaf. Die Folge waren Leistungseinbussen bei der Lernaufgabe. „Die Versuchspersonen haben unsere Stimulation nicht bemerkt und schliefen in beiden Versuchsnächten gleich gut (objektiv und auch subjektiv)“, erläutert Prof. Huber. „Durch unseren Eingriff konnte sich der Motorcortex allerdings weniger gut erholen. Dies führte zu dem spezifischen Defizit in der Lernaufgabe.“

Hilfe bei Epilepsie

Nach Auskunft der Zürcher Forscherinnen und Forscher könnten die neuen Erkenntnisse rund um den Tiefschlaf künftig auch bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten helfen. Das gilt für Epilepsie und andere Krankheiten, die sich unter anderem im Schlaf äussern. In diesen Fällen könnten die neuen Resultate Wege eröffnen, um jene Hirnregionen zu beeinflussen, die direkt mit der jeweiligen Krankheit in Verbindung stehen, sagt der ausgebildete Neurobiologe Reto Huber.

Zürcher Forscher zeigen den Kausalzusammenhang zwischen #Tiefschlaf und #Lernfähigkeit des Gehirns. http://bit.ly/2t8Bj8x #iph
Der Tiefschlaf gewährleistet die Lernfähigkeit des Gehirns.
Der Tiefschlaf gewährleistet die Lernfähigkeit des Gehirns.
 

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