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22. Juni 2017

Die Ursachen von Brustkrebs

Trotz Fortschritten bei der Behandlung bleibt Brustkrebs eine bedrohliche Tumorerkrankung. Wissenschaftler der Universität Genf erforschen mit italienischen Kollegen die Grundlagen der Krebserkrankung, um neue Therapien zu ermöglichen.

Brustkrebs ist eine Erkrankung, die trotz Behandlungsfortschritten in den letzten Jahrzehnten noch immer grosses Leid verursucht. Dazu Prof. Didier Picard vom Departement für Zellbiologie der Universität Genf: „Brustkrebs ist die häufigste Krebsform bei Frauen, jede achte Frau ist davon betroffen. 70% der Frauen können mit einer Hormontherapie behandelt werden, doch ein Drittel der Personen entwickelt gegen die Behandlung Resistenzen. Wir brauchen also neue Therapiestrategien für Frauen, bei denen eine Hormontherapie nicht möglich ist, aber auch für jene Frauen, die gegen eine Hormontherapie resistent sind.“ Prof. Picard hat nun in einem neuen Projekt gemeinsam mit Kollegen der Universität Kalabrien in Süditalien die Grundlagen von Brustkrebs erforscht. Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift 'Oncotarget'.

GPER-Protein in Fibroblasten

Ausgangspunkt der Untersuchung war die Hormongruppe der Estrogene (auch: Östrogene). Die Sexualhormone spielen eine Doppelrolle bei der Entwicklung von Brustzellen: Einerseits unterstützen sie das Wachstum gesunder Zellen, gleichzeitig sind Estrogene oft involviert, wenn die Zellen im Zuge einer Brustkrebserkrankung zu Tumorzellen degenerieren. Estrogene docken an Rezeptoren an, die bei Brustzellen vorhanden sind. Für dieses Andockmanöver nutzen die Estrogene entweder Rezeptoren vom Typ ER in den Zellen drin oder vom Typ GPER auf der Oberfläche der Zellen. Jüngere Studien zu GPER haben gezeigt, dass dieses Protein nicht nur auf den Brustzellen vorkommt, sondern auch im Bindegewebe in der unmittelbaren Umgebung der Brustkrebszellen. Allerdings unterschieden sich die GPER-Proteine bei gewissen Patienten genetisch leicht vom 'normalen' GPER und sie verfügen damit auch über andere Eigenschaften. So lautet das Hauptergebnis der Studie, welche das schweizerisch-italienische Forscherteam jetzt veröffentlicht hat.

Bindegewebe als Wirkstoffziel

Diese Erkenntnis verbessert das Verständnis von Brustkrebserkrankungen. Denn die Fibroblasten, die das leicht veränderte GPER-Protein jetzt innerhalb der Zellen enthalten, tragen offenbar dazu bei, die Migration der Krebszellen, die sich in ihrer direkten Nachbarschaft befinden, zu fördern. Die Fibroblasten tragen damit zur Metastasierung des Tumors im Körper der Patientinnen bei. Die Wissenschaftler hoffen, mit den Erkenntnissen Anstösse für die Entwicklung neuer Therapien gegen Brustkrebs geben zu können. Dazu Didier Picard: „Noch wissen wir nicht, wie eine solche Behandlung konkret aussehen könnte. Unsere Untersuchung macht aber deutlich, dass Zellen des Bindegewebes zu Wachstum und Verbreitung der Krebszellen beitragen. Es könnte also sinnvoll sein, Medikamente zu entwickeln, die nicht nur auf die Krebszellen an sich zielen, sondern auch auf deren Mikroumgebung im Bindegewebe.“

Genfer Forscher gewinnen neue Erkenntnisse zu den Ursachen von #Brustkrebs. @UNIGEnews http://bit.ly/2tvVWvl #iph
Protein GPER
Das Protein GPER kommt nicht nur auf Brustzellen vor (oben), sondern auch im Kern von Bindegewebszellen (unten).
 

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