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28. Juni 2017

Gegen die Sonne geschützt

Mit Sonnencremen können sich Menschen zuverlässig gegen hautschädigende Strahlung schützen. Doch welches Sonnenschutzmittel welche Schutzwirkung bietet, kann mitunter sogar Hautärzte überfordern, wenn die Schutzwirkung ungünstig dargestellt wird.

Prof. Dr. Christian Surber arbeitet auf den dermatologischen Kliniken des Universitätsspitals Zürich und des Universitätsspitals Basel. Er ist unter anderem Experte, wenn es darum geht, die Haut vor der schädigenden Wirkung der Sonnenstrahlung zu schützen. „Alle Menschen, die bei Sonnenschein einer Outdoor-Aktivität wie Baden, Laufen, Skifahren oder Spazieren nachgehen, sollten eine Sonnencreme mit einem Lichtschutzfaktor 30 oder höher auftragen“, sagt Surber und ergänzt: „Menschen mit empfindlicher Haut wählen am besten mit Lichtschutzfaktor 50+.“ Wichtig sei dabei insbesondere auch, nicht mit der Sonnencreme zu sparen, sagt der Hautpharmakologe. „Der Sonnenschutzfaktor wird für jedes Produkt in Studien am Menschen mit zwei Milligramm Sonnencreme pro Quadratzentimeter Haut ermittelt. Im Alltag tragen Menschen meistens nur die Hälfte oder noch weniger auf und haben dann weniger als die Hälfte des auf dem Produkt deklarierten Sonnenschutzfaktors!“

261 Hautärzte befragt

Neben der breiten Öffentlichkeit müssen auch Ärzte über die Schutzwirkung von Sonnencremes Bescheid wissen, um Ratsuchende bei der Anwendung richtig zu beraten. Doch viele der befragten Hautärzte interpretieren die Angaben zur Schutzwirkung der Sonnencremen nicht korrekt. Das ist die Quintessenz einer Studie, die Prof. Surber von der Dermatologischen Klinik in Basel und Zürich und Dr. Stefan Herzog vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (Berlin) durchgeführt haben. Im Rahmen der Studie wurden 261 Hautärzte in Deutschland, den USA, Australien und der Schweiz befragt. Sie sollten dabei die Schutzwirkung von 20 Paaren von Sonnencremen beurteilen, wobei ihnen die Informationen zur Schutzwirkung auf unterschiedliche Art präsentiert wurden: erstens mit dem Lichtschutzfaktor; zweitens mit einer Prozentzahl, die angibt, welcher Anteil der schädlichen Sonnenstrahlung durch die Sonnencreme absorbiert wird; drittens mit einer Prozentzahl, die angibt, welcher Anteil der schädlichen Sonnenstrahlung trotz Sonnencreme auf die Haut trifft.

Prozentangaben können verwirren

Die Studie zeigt: Die überwiegende Mehrheit der befragten Dermatologen hat die längere Schutzdauer von Sonnencremes mit höherem Lichtschutzfaktor systematisch unterschätzt, wenn die Schutzwirkung nicht als Lichtschutzfaktor angegeben war, sondern als Prozentzahl der schädlichen Strahlung, die von der Sonnencreme abgehalten wird. „Die Untersuchung zeigt, dass die befragten Ärzte wie viele andere Menschen auch Schwierigkeiten haben, Prozentzahlen auf die Schnelle korrekt zu interpretieren“, sagt Christian Surber. Eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 30 hält 96,7 Prozent der Sonnenstrahlung von der Haut fern, bei einer Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 60 sind es 98,3 Prozent. Die Prozentzahlen erwecken den Anschein, als bringe die Creme mit Lichtschutzfaktor 60 nur eine relativ geringfügige Verbesserung. Tatsächlich aber wird die Menge der Strahlung, die auf die Haut trifft, durch diese Creme halbiert (von 3,3 auf 1,7 Prozent); sie hat also eine sehr erhebliche zusätzliche Schutzwirkung – diesem Fall eine Verdoppelung (siehe Grafik).

Originalpublikation: doi: 10.1001/jamadermatol.2016.4924

Selbst Hautärzte unterschätzen die Schutzwirkung von #Sonnencremes, wenn diese ungünstig dargestellt wird. http://bit.ly/2tWOsBR #iph
Sonnenschutzfaktor
Die Angabe der Schutzleistung (SPF) bezieht sich auf die UV-Strahlung, die bei aufgetragener Sonnencreme in die Haut auftrifft (im Bild ROT) und für die Entstehung der Hautrötung verantwortlich ist. Bei SPF 15 erreichen ca. 6,7% der UV-Strahlung die Haut, bei SPF 30 ca. 3,3% und bei SPF 60 (SPF 50+) rund 1,7%. Dies entspricht einer Verdoppelung bzw. Vervierfachung der Sonnenschutzleistung.
 

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