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29. Juni 2017

Stammzellen für Querschnittgelähmte

Es ist eine faszinierende, aber noch ferne Vision: Dass querschnittgelähmten Personen durch eine Übertragung von Stammzellen geholfen werden könnte. Eine Studie mit Beteiligung des Basler Universitätsspitals dokumentiert nun einen kleinen Fortschritt

Stammzellen sind fähig, neue Zellen zu bilden. Daher verbindet sich mit neuronalen Stammzellen die Hoffnung, sie könnten zerstörte Nervenbahnen bei querschnittgelähmten Personen wiederherstellen. Das Universitätsspital Basel hat nun zusammen mit dem Zentrum für Paraplegie der Universitätsklinik Balgrist und weiteren Partnern eine Studie durchgeführt, in der neuronale Stammzellen bei insgesamt zwölf Patienten transplantiert wurden. Alle Patienten – neun aus der Schweiz, drei aus Kanada – litten an Rückenmarkverletzungen im chronischen Stadium. Die Studie hat nachgewiesen, dass der medizinische Eingriff sicher durchgeführt werden kann, für die Patienten also keine signifikanten Zell-induzierten Nebenwirkungen hat oder zu einer Verschlechterung ihres Zustands führt.

Bessere Sensibilität

Obwohl die Phase I/II-Studie hauptsächlich dem Nachweis der Sicherheit gewidmet war, konnten mit dem Eingriff auch positive gesundheitliche Effekte erzielt werden. Bei der Hälfte der Personen stellte sich nach drei bis sechs Monaten eine verbesserte Sensibilität unterhalb der Rückenmarks-Verletzung ein. In einem Bereich hatten die Patienten zuvor keine Gefühlsempfindung. Darüber berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift 'Neurosurgery'. Eine Verbesserung der Bewegungsfähigkeit, wie sich das Patienten sehnlichst erhoffen, konnte nicht beobachtet werden. Dazu Prof. Raphael Guzman, stv. Chefarzt Neurochirurgie am Universitätsspital Basel: „Unsere Studie war nicht darauf angelegt, einen motorischen Effekt zu erreichen, sondern die Sicherheit einer Stammzell-Transplantation nachzuweisen. Wir haben die Zelltransplantation im Hinterstrang der Wirbelsäule durchgeführt, wo vor allem sensorische, aber keine motorischen Nervenbahnen verlaufen. Das war bewusst gewählt, um bei den Patienten keine motorische Verschlechterung zu riskieren.“

Stammzellen mit anderen Therapieansätzen kombinieren

Ob sich mit der Übertragung von Stammzellen die Bewegungsfähigkeit verbessern lässt, werden erst künftige Studien zeigen. Für diese Untersuchungen gebe die aktuelle Studie wichtige Hinweise, sagt Prof. Guzman. Die weitere Erforschung von neuronalen Stammzellen mit dem Ziel, querschnittgelähmten Personen zu helfen, sei ein „langer, aber sehr lohnenswerter Weg“, sagt der in Basel tätige Neurochirurg, und ergänzt: „Ich denke, wir müssen an kombinierten Therapien forschen, in denen wir Stammzellen zum Beispiel mit neuroprotektiven, neurotrophen oder immunmodulatorischen Faktoren kombinieren.“

Neuronale Stammzellen lassen sich sicher auf querschnittgelähmte Personen übertragen, zeigt eine Studie http://bit.ly/2u1BVwP #iph
Transplantation von neuronalen Stammzellen ins Rückenmark
Transplantation von neuronalen Stammzellen ins Rückenmark
 

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