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10. Juli 2017

Kolumne: Wettlauf der Innovation

Im internationalen Genf sind Grabenkämpfe über das Spannungsverhältnis zwischen dem Schutz des geistigen Eigentums und den Menschenrechten an der Tagesordnung.

Daran erinnerte letzte Woche eine Veranstaltung des «Club de la Presse Suisse» zum Thema «Wer gewinnt den Wettlauf der Innovation?». Denn geistiges Eigentum bedeutet ja nicht nur Patente auf Medikamenten, Agrochemikalien oder moderner Software, geistiges Eigentum drückt sich auch in Marken und im Urheberrecht aus. Wer weiss noch, dass Schriftsteller wie Goethe, Schiller oder Victor Hugo im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert erbittert für den Schutz des Urheberrechts kämpfen mussten. Von Goethes Werther waren allein in Berlin über 40 Raubdrucke erschienen, bevor das Original auf dem Markt war. Heute ist der Vergleich von Patent- und Urheberrecht wieder aktuell, weil der “Raubdruck”, beziehungsweise die Selbstbedienung, aus dem Internet fast schon selbstverständlich ist.

Die Schweiz als Weltmeisterin der Innovationen
Wer ob all der Kontroversen über Patente denkt, der Schutz des geistigen Eigentums sei heute weniger gesucht als früher, täuscht sich: Es werden mehr Patente angemeldet denn je. Praktisch jedes Land will im Wettlauf der Innovation mithalten. Entsprechend wird der jährliche “Global Innovation Index” der Weltpatentorganisation (WIPO) jeweils mit Spannung erwartet. Dass die Schweiz hier 2017 zum siebten Mal in Folge oben ausschwingt – dies vor Schweden, den Niederlanden, den Vereinigten Staaten und Grossbritannien – ist nicht selbstverständlich, aber sehr erfreulich. “Innovation ist der Motor des Wachstums in einer mehr und mehr wissensbasierten globalen Wirtschaft”, bringt es WIPO-Generaldirektor Francis Gurry auf den Punkt. Er spricht damit auch den Unterschied zwischen Erfindung und Innovation an, denn eine Erfindung wird erst zur Innovation, wenn man aus ihr ein vermarktbares Produkt macht.

Risikoreiche Pharmaforschung braucht den Schutz des geistigen Eigentums
Entsprechend sind gerade im Pharmabereich erfolgreiche Firmen hoch profitabel. Gleichzeitig hat die Erforschung und Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe einen enormen gesellschaftlichen Nutzen. So hat Penicillin rund 200 Millionen Menschen das Leben gerettet. Dank Impfstoffen gelten die Pocken als ausgerottet bei Polio ist man nicht wet davon entfernt, ebenso bei den Masern, wäre nur die Impfrate besser. Impfstoffe, so schätzt man, retten heute pro Jahr das Leben von rund zwei Millionen Kindern. Doch die Investitionen in die risikoreiche Pharmaforschung, die bei grossen Firmen rund 20 Prozent des Umsatzes ausmachen, wären ohne den Schutz des geistigen Eigentums nicht denkbar

Innovative Geschäftsmodelle sind gefragt
Trotzdem sind Diskussionen über Patente und die Auswirkungen des Patentschutzes etwa im Medikamentenbereich durchaus zulässig. Gerade weil es den Patentschutz für die künftige Innovation braucht, hat die Pharmaindustrie die Verantwortung, bei Bedarf auch einmal unkonventionelle Wege zu beschreiten, wenn es um den Zugang zu Medikamenten in Entwicklungsländern geht. In dieser Beziehung hat die Branche in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Gute Beispiele sind die Behandlung von AIDS, Hepatitis C, vernachlässigten Tropenkrankheiten sowie der Einsatz von Impfstoffen. Immer mehr Firmen sind offen für innovative Geschäftsmodelle, sei es in der Forschung und Entwicklung, sei es bei den Preisen und beim Vertrieb von Medikamenten. Solche Modelle und ihr Erfolg sind letztlich entscheidend für die gesellschaftliche Akzeptanz des geistigen Eigentums.

Für Innovationen braucht es den Schutz des geistigen Eigentums. http://bit.ly/2tECOfb #iph
Thomas Cueni Kolumne farbig
 

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