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12. Juli 2017

Gegen Harnwegsinfekte vorbeugen

Ein neuer Impfstoff gegen Harnwegsinfekte wurde von Schweizer Spitälern erfolgreich getestet. Von dem Wirkstoff könnten in Zukunft Frauen profitieren, die gehäuft an entsprechenden Infektionen leiden.

Das Bakterium Escherichia coli (E. coli), das üblicherweise die Darmflora besiedelt, ist ein wichtiger Erreger von Harnwegsinfekten. Ein Impfstoff zur Bekämpfung genau dieses Krankheitserregers wurde jetzt erfolgreich getestet. An der Studie hatten sich gut 180 Frauen im Alter zwischen 18 und 70 Jahren beteiligt, die aktuell bei guter Gesundheit waren, in Vergangenheit aber wiederholt an Harnwegsinfekten gelitten hatten, wobei mindestens eine dieser Infektionen durch das Bakterium E. coli hervorgerufen worden war. An der Studie wirkte rund ein Dutzend Schweizer Spitäler und Forschungseinrichtungen mit, weitere Beiträge kamen aus den Niederlanden und den Vereinigten Staaten. Über ihre Erkenntnisse berichteten die Forscherinnen und Forscher in der Fachzeitschrift 'The Lancet Infectious Diseases'.

Studie umfasst neun Monate

Rund die Hälfte der Probandinnnen nahm im Zuge der Studie den Impfstoff ein, die andere Hälfte ein Scheinmedikament (Placebo). Die Frauen, die den Wirkstoff bekamen, litten signifikant weniger unter Infektionen mit dem Bakterium E. coli: 52% der geimpften Personen hatten in der neunmonatigen Studienperiode gar keinen Infekt (gegenüber 41% der Frauen, die das Placebo erhielten). Der Impfstoff führte zu einer starken und dauerhaften Immunantwort und hatte keine schweren oder unerwünschten Nebenwirkungen, berichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Bis der Impfstoff in die klinische Praxis kommt, sind weitere Studien u.a. mit höheren Dosierungen geplant. Auch muss gezeigt werden, dass der Impfstoff Vorteile hat gegenüber einem bereits verfügbaren oralen Impfstoff.

Impfung erst bei gehäuften Infekten sinnvoll

Eine Mehrheit der Frauen ist im Verlauf ihres Lebens ein- oder auch mehrmals von Harnwegsinfekten betroffen. Ein grosser Teil dieser Infektionen verläuft harmlos. Eine Impfung gegen Harnwegsinfekte sei nur bei Frauen sinnvoll, die wiederholt an Infekten litten, sagt Prof. Annette Kuhn, Gynäkologin an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Bern und Co-Autorin der Lancet-Studie: „Eine Impfung gegen Harnwegsinfekte wird man nie mit derselben Konsequenz einsetzen wie eine Impfung gegen Polio oder Pocken. Sinnvoll ist eine solche Impfung für Frauen, die mehr als drei nachgewiesene Infekte pro Jahr oder mehr als zwei Infekte in einem Halbjahr erlitten haben. Ein bis zwei Infekte pro Jahr betrachten wir hingegen als normal, und dies stellt für die Frauen in der Regel auch kein Problem dar.“

Schweizer Spitäler haben einen Impfstoff gegen eine häufige Art von Harnwegsinfekten erfolgreich getestet. http://bit.ly/2sOM92N #iph
Prof. Annette Kuhn, Gynäkologin am Berner Inselspital
Prof. Annette Kuhn, Gynäkologin am Berner Inselspital
 

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