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2. August 2017

Hartnäckige Bakterien

Der Schutz von Spitalpatienten vor Infektionen erfordert die Kenntnis der Ansteckungswege. Diese sind mitunter sehr langwierig, wie ein europäisches Forschungsprojekt mit Beteiligung von Zürcher Ärzten und Wissenschaftlern jetzt nachgewiesen hat.

Es ist schon einige Zeit her, als in Spitälern nach Herzoperationen in einigen Fällen bei Patientinnen und Patienen schwere Infektionen beobachtet wurden: Betroffenen waren Personen, denen eine Prothese wie eine künstliche Herzklappe oder eine Hauptschlagader eingesetzt worden war. Die Ursache dieser Erkrankungen war das Mycobacterium chimaera, wie Ärzte des Universitätsspitals Zürich und Forscher des Mikrobiologischen Instituts der Universität Zürich bereits vor mehreren Jahren nachgewiesen haben. Die Wissenschaftler hatten damals gezeigt, dass die Bakterien in den Wassertanks der Temperaturregulierungsgeräte der Herz-Lungen-Maschine vorkommen. Während der Operation wurden die Erreger dann über die Ventilatoren der Geräte verbreitet – und konnten so in den Körper der Patienten gelangen.

250 Proben ausgewertet

Jetzt haben die Zürcher Forscher im Rahmen eines europäischen Projektes die Verbreitungswege des Bakteriums vertieft untersucht. Dafür wurden 250 Proben von Personen, die nach einer Herzoperation erkrankten, und von weiteren Quellen untersucht. Aus den Daten konnten die Infektiologen und Mikrobiologen zeigen, dass die Temperaturregulierungsgeräte vermutlich bereits bei der Herstellung mit den Bakterien kontaminiert wurden. Dazu Prof. Dr. med. Hugo Sax, Leiter Spitalhygiene beim Universitätsspital Zürich: „Mycobacterium chimaera ist ein sehr langsam wachsendes Bakterium, das die Fähigkeit hat, auf Oberflächen in stehendem Wasser einen Biofilm aufzubauen, in dem diese Bakterien geschützt sehr lange Zeit überdauern können. Bisher wurde noch von keiner Methode der gängigen Desinfektion bewiesen, dass sie diese Bakterien zuverlässig und nachhaltig aus den Temperaturregulierungsgeräten entfernt. Mit einer Totalrevision können die Geräte zwar bakterienfrei gemacht werden, aber auch dann können sie wieder kontaminiert werden.“

Ansteckungen lassen sich vermeiden

Das heisst nun aber nicht, dass Spitäler gegen den Krankheitserreger machtlos sind. „Ansteckungen in der Herzchirurgie mit künstlichen Klappen und Gefässprothesen können zuverlässig unterbunden werden, indem die Abluft der Temperaturregulierungsgeräte strikt von der Luft im Operationssaal getrennt wird“, sagt Hugo Sax. Der Arzt und die anderen am Projekt beteiligten Forscher wollen nicht ausschliessen, dass für die beobachteten Infektionen noch andere Infektionswege bestehen könnten. Da das Mycobacterium chimaera wahrscheinlich auf der ganzen Welt in der Natur in Wasser vorkommt und deshalb auch in vielen Wassersystemen der Spitäler, können alle Medizinalgeräte betroffen sein, in denen stehendes Leitungswasser vorkommt. Das verbesserte Wissen zu den Übertragungswegen des Bakteriums hilft den Infektionspräventionsabteilungen der Spitäler und den Behörden, die Ansteckungsrisiken zu erkennen und soweit als möglich zu unterbinden.

Wer Infektionswege kennt, kann Ansteckungen erfolgreich unterbinden, zeigt ein europäisches Forschungsprojekt. http://bit.ly/2tYBjI5 #iph
Prof. Dr. med. Hugo Sax, Leiter Spitalhygiene beim Universitätsspital Zürich
Prof. Dr. med. Hugo Sax, Leiter Spitalhygiene beim Universitätsspital Zürich
 

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