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9. August 2017

Dem Umweltgift auf der Spur

Benzopyren ist ein verbreitetes Umweltgift, das beim Grillieren und bei anderen Verbrennungsprozessen entsteht und das Krebstumoren hervorrufen kann. Münchner Forscher haben nun einen neuen Weg gefunden, um den Stoff über Antikörper nachzuweisen.

Wenn Fett auf glühende Kohlen tropft, entsteht der Giftstoff Benzopyren (auch: Benzo[a]pyren). Doch nicht nur beim Grillieren wird diese Substanz gebildet, sondern beispielsweise auch beim Verfeuern von Kohle oder Holz zu Heizzwecken. Der Giftstoff gelangt dann über Atmosphäre und Niederschläge in Böden und Grundwasser. Dort kann das Umweltgift heute mit entsprechenden Analysegeräten nachgewiesen werden. Strikte Grenzwerte sorgen dafür, dass für die Bevölkerung über das Trinkwasser keine Gefährdung durch den karzinogenen Stoff entsteht.

Bindung an einen Antikörper

Ein Forscherteam um Prof. Arne Skerra vom Lehrstuhl für Biologische Chemie an der Technischen Universität München (TUM) hat nun einen neuen Weg aufgezeigt, um Bezopyren nachzuweisen. Die Wissenschaftler haben den Mechanismus entschlüsselt, mit dem Benzopyren an einen Antikörper bindet, wie sie in der neusten Ausgabe der Fachzeitschrift 'Angewandte Chemie' berichten. Den Antikörper hatte Prof. Dietmar Knopp vom Lehrstuhl für Analytische Chemie der TUM zuvor entwickelt. „Unsere neuen Erkenntnisse eröffnen die Möglichkeit, das Umweltgift mit weniger Aufwand als bei der konventionellen Analytik durch einen einfachen Immuntest nachzuweisen, und dies bei Bedarf auch mit tragbaren Messgeräten im Feld“, sagt Prof. Skerra. „Im Gegensatz zur herkömmlichen Methode ist keine aufwändige Probenvorbereitung nötig, wir können also – um es salopp auszudrücken – im Trüben fischen, wenn wir nach dem Umweltgift suchen.“

Neuer Weg der Entgiftung

Das neue Verfahren ist in erster Linie für die Umweltanalytik von Bedeutung. Mittelfristig könnte es aber auch eine Grundlage für neue medizinische Anwendungen schaffen, wie Arne Skerra deutlich macht: „Unsere Erkentnisse eröffnen theoretisch neue Möglichkeiten der Entgiftung mit Antikörpern. So ist denkbar, dass wir in Zukunft Antikörper auch gegen Moleküle am Computer designen, die stärker krankheitsrelevant sind als Benzopyren.“ Bei Benzopyren steht eine solche medizinische Anwendung nicht im Fokus. Akutvergiftungen treten hier praktisch nicht auf, weil der Stoff in kleinsten Mengen auftritt und 'schleichend' wirkt.

Münchner Forscher finden einen neuen Weg zum Nachweis des krebserregenden Umweltgiftes #Benzopyren. http://bit.ly/2uorG5I #iph
Prof. Arne Skerra, Technische Universität München
Prof. Arne Skerra, Technische Universität München
 

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