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28. August 2017

Kolumne: Ein ambitiöses Projekt

Waren früher in armen Ländern Infektionen die häufigste Todesursache, sind heute die sogenannten "Zivilisationskrankheiten" die grösste Herausforderung für die oft fragilen Gesundheitssysteme.

Die Herausforderung ist gewaltig und das Ziel ambitiös: 80 Prozent der Patientinnen und Patienten in Entwicklungsländern sollen bis zum Jahre 2020 Zugang zu (bezahlbaren) lebenswichtigen Medikamenten für die Behandlung nicht übertragbarer Krankheiten (NCDs) haben. Die Diskussion über die NCDs zeigt exemplarisch den gesundheitspolitischen Wandel und ist letztlich auch eine Folge der wirtschaftlichen Entwicklung. Waren früher in armen Ländern Infektionen die häufigste Todesursache, sind heute als Folge steigender Lebenserwartung und zunehmenden Wohlstands die sogenannten "Zivilisationskrankheiten" die grösste Herausforderung für die oft fragilen Gesundheitssysteme. Vier nicht übertragbare Krankheiten - Diabetes, Herzkreislauf-Erkrankungen, Krebs und chronische Erkrankungen der Atemwege - sind die häufigste Ursache von Morbidität und Mortalität, weit mehr als HIV/AIDS, Durchfall oder Malaria. Weltweit gehen 68 Prozent aller Todesfälle auf NCDs zurück, drei von vier davon in Entwicklungsländern.

Dramatische Folgen

Angesichts dieser Zahlen ist es erstaunlich, dass übertragbare Krankheiten mehr als 50 Prozent der Gesundheitsbudgets absorbieren aber nicht mal zwei Prozent der Entwicklungshilfe, die in Gesundheitsprojekte investiert wird, in den NCD-Bereich fliessen. Das hat sich bis heute trotz der ambitiösen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen nicht gross geändert und hat dramatische Folgen. Man schätzt, dass pro Jahr rund 100 Millionen Menschen unter die Armutsgrenze fallen, weil in zahlreichen Entwicklungsländern viele Patientinnen und Patienten ihre Behandlung aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. Wer nun denkt, das habe mit überteuerten Medikamenten zu tun, liegt falsch, denn gerade die Behandlung von nicht übertragbaren Krankheiten ist in Entwicklungsländern in aller Regel sehr günstig. Die Patente der meisten Medikamente gegen hohen Blutdruck oder Diabetes sind längst abgelaufen und die Arzneimittel kosten oft nur ein paar Cents pro Tag.

Welches sind denn die Gründe, weshalb Therapien gegen NCDs trotz der hohen Priorität in Resolutionen der UNO oder der Weltgesundheitsorganisation WHO nur ungenügend verfügbar sind? Zunächst einmal fehlt es an Geld. NCD-Programme sind unspektakulär und machen keine Schlagzeilen. Sie erregen nicht die Aufmerksamkeit wie AIDS oder Ebola, obwohl sie eine enorme Belastung für die Volkswirtschaften und Gesundheitssysteme armer Länder sind. Und Fortschritte stellen sich nur langsam ein. Neben den fehlenden Mitteln sind die Gesundheitssysteme vieler armer Länder kaum gerüstet für die Prävention und Behandlung chronischer Krankheiten. Sie sind auf akute Infektionskrankheiten ausgerichtet, sind chronisch überlastet, leiden unter ressourcenschwachen Zulassungssystemen, Mangel an Fachpersonal und der Ineffizienz in den Distributionskanälen.

Klarer politischer Wille ist gefragt

"Empty shelves" von PATH, eine auf innovative Gesundheitslösungen ausgerichtete Nichtregierungsorganisation, hat unterstützt von Novo Nordisk als eines der ersten Projekte die Hürden für eine wirksame Diabetes-Versorgung in Kenya untersucht. Die Erkenntnisse sind ernüchternd, die Liste ist lang und zeigt, wie anspruchsvoll das Ziel einer 80 Prozent-Versorgung bis zum Jahre 2020 ist. Sollte die Vorgabe auch nur annähernd erreicht werden, braucht es in den einzelnen Ländern einen klaren politischen Willen damit die Priorisierung der NCDs nicht nur in UNO-Resolutionen sondern auch in nationalen Budgets zum Ausdruck kommt.

Weltweit gehen 68 Prozent aller Todesfälle auf #NCDs zurück, drei von vier davon in Entwicklungsländern. http://bit.ly/2wUxyI6 #iph
Thomas Cueni Kolumne farbig
 

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