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5. September 2017

Algen gegen Arthrose

Ein Zuckermolekül aus der Braunalge könnte in chemisch veränderter Form für die Behandlung von Arthrose genutzt werden. Untersuchungen eines schweizerisch-norwegischen Forscherteams in Zellkulturen sind erfolgreich verlaufen.

Neun von zehn Personen im Alter von über 65 Jahren leiden mehr oder weniger stark an Arthrose. Die schmerzhafte Gelenkserkrankung wird verursacht durch den Abbau des Knorpelgewebes, das die Knochen in den Gelenken 'schmiert'. Der Verlust der Schutzschicht aus Knorpelgewebe geht mit Entzündungsreaktionen einher. Am häufigsten betroffenen sind Knie, Hüfte und Finger. Mit Entzündungshemmern und Schmerzmitteln lassen sich die Symptome der Krankheit lindern; eine Heilung ist bisher allerdings nicht möglich. In schweren Fällen muss das betroffene Gelenk operativ durch ein künstliches Gelenk ersetzt werden.

Alginatsulfat hemmt Entzündungen

Forscherinnen und Forscher der ETH Zürich verfolgen nun gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Empa (in St. Gallen) und des norwegischen Forschungsinstituts SINTEF einen neuen Behandlungsansatz für Arthrose. Die Wissenschaftler nutzen dafür ein Zuckermolekül (Polysaccharid) aus der Braunalge, das mit Sulfatgruppen chemisch modifiziert wurde. Dieses sogenannte Alginatsulfat wirkt entzündungshemmend und unterdrückt die Immunreaktion gegen Knorpelzellen. Auch vermindert der Stoff den oxidativen Stress, der für das Absterben der Knorpelzellen mit verantwortlich ist. Das konnten die beteiligten Wissenschaftler in Kulturen aus Knorpelzellen nachweisen.

Erster Schritt auf einem langen Weg

Die bisherigen Ergebnisse wecken die Hoffnung, dass das modifizierte Alginat künftig genutzt werden könnte, um den Knorpelabbau in den Gelenken von Arthrose-Patienten aufzuhalten. Die Studie wurde mit Knorpelzellen durchgeführt, nicht mit Knorpelgewebe an sich. In diesem 'idealisierten Setting' wurden die Zellen vor einer Entzündungsreaktion durch Zytokine geschützt. Bis zu einem neuen Arthrose-Wirkstoff haben die Forscherinnen und Forscher noch einen langen Weg vor sich. Im nächsten Schritt geht es darum, das potenzielle Medikament in Tierversuchen auf seine Wirksamkeit hin zu testen. „Wenn unser Forschungsansatz am Ende zu einem erfolgreichen Ergebnis führt, könnte Alginatsulfat bei Arthrose-Patienten eingesetzt werden. Der Wirkstoff würde über eine Injektion verabreicht, die eine Schmierung und Stabilisierung des Gelenks zur Folge hätte“, sagt die ETH-Forscherin Prof. Marcy Zenobi-Wong.

Ein chemisch veränderter Stoff aus der Braunalge könnte gegen #Arthrose helfen. http://bit.ly/2wAFVIa #iph
Blick ins ETH-Labor für Tissue Engineering and Biofabrication, wo die Wirkung von Alginatsulfat untersucht wird
Blick ins ETH-Labor für Tissue Engineering and Biofabrication, wo die Wirkung von Alginatsulfat untersucht wird
 

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