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8. September 2017

„Eine 'neue' Haut für Patienten“

Das Jungunternehmen 'Cutiss', ein Spin-off der Universität Zürich, entwickelt Hautsubstitute, die künftig beispielsweise für die Behandlung von Verbrennungsopfern benutzt werden sollen. Wie das gelingen könnte, erklärt 'Cutiss'-CEO Dr. Daniela Marino

Frau Dr. Marino, Sie sind Biologin und haben seit 2009 an der 'Tissue Biology Research Unit' des Kinderspitals Zürich ein Verfahren zur Herstellung von künstlicher Haut entwickelt. Wem könnte dieser Hautersatz in Zukunft helfen? 
Daniela Marino: Unsere Hautsubstitute sollen in Zukunft all jenen Patientinnen und Patienten helfen, die auf 'neue' Haut angewiesen sind. Das ist beispielsweise bei Personen mit schweren Verbrennungen der Fall. Hilfreich wäre der Hautersatz auch für Menschen, deren Haut im Zuge einer früheren Operation zwar rekonstruiert wurde, deren Narben aber schmerzen oder zu anderen Beeinträchtigungen führen. Hautsubstitute könnten aber auch nach Tumoroperationen oder nach der Entfernung grosser Muttermale zum Einsatz kommen.

Wie stellen Sie die Ersatzhaut her?
Wir entnehmen den Patientinnen oder Patienten ein gesundes Stück Haut, das etwa so gross ist wie eine Briefmarke. Von welcher Körperpartie die Haut stammt, spielt im Grunde keine Rolle. Üblicherweise entnehmen wir die Haut hinter den Ohren, weil das eine schlecht einsehbare Stelle ist. Im Labor werden dann die Hautzellen extrahiert und vermehrt. Mithilfe eines Hydrogels stellen wir dann unseren Hautersatz her, der die zwei Schichten der natürlichen Haut – die nach aussen gewandte Epidermis und die darunter liegende Dermis – nachbildet. Dank unseres Bio-Engineering-Verfahrens können wir ein Hautstück innerhalb eines Monats um das rund 70-fache vergössern.

Sind heute ähnliche Hautsubstitute bereits auf dem Markt?
Ein mit unserem Substitut vergleichbares Produkt existiert bisher nicht. Heute wird in der Regel die Haut des Patienten übertragen. Damit lässt sich in vielen Fällen Leben retten, und Hautschäden lassen sich behandeln. Allerdings verursachen die verbleibenden Narben immer wieder Probleme. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass bei der Transplantation von Eigenhaut zwar die Epidermis, aber nur ein geringer Teil der Dermis übertragen wird. Wir wollen mit unserem Produkt einen aus Eigenhaut hergestellen Hautersatz zur Verfügung stellen, der zum einen Leben retten kann, der den Patientinnen und Patienten nach deren Heilung aber auch eine gute Lebensqualität mit den verbleibenden Narben ermöglicht. Unser Produkt fühlt sich an wie richtige Haut. Diese ist elastisch und hat den Vorteil, dass sie mit dem Körper wächst, was besonders wichtig ist, wenn sie auf ein Kind übertragen wird.

Welches ist der nächste Schritt bei der Entwicklung des Hautersatzes?
Wir haben erste klinische Tests bereits durchgeführt und die Sicherheit unseres Produkts bei zehn Kindern am Kinderspital Zürich getestet. Noch vor Ende Jahr wird zudem eine klinische Phase II-Studie starten, die aufzeigen soll, dass unsere Lösung gleich gut oder besser ist als die Standardtherapie mit Transplantation von Eigenhaut. In dieser Studie werden ausgewählte Patientinnen und Patienten gleichzeitig mit einem Stück Eigenhaut und mit unserem Hautsubstitut behandelt. An beiden Stellen wird dann die Qualität der verbleibenden Narben verglichen.

Sie erhalten von dem kürzlich geschaffenen 'UZH Life Sciences Fund' eine Million Franken. Wie wollen Sie dieses Geld einsetzen?
Wir wollen eine automatisierte Produktion für die Hautsubstitute aufbauen. Bisher werden die Substitute manuell im Labor hergestellt; das kostet viel Zeit, Geld und Personal. Wir sind sehr dankbar für das Geld des 'UZH Life Sciences Fund'. Ein Ziel ist, die Herstellungszeit für den Hautersatz von heute 20 Tagen auf neu unter fünf Tage zu reduzieren.

Wann werden die ersten Patienten – im Erfolgsfall – von den Substituten profitieren?
Wir streben eine Marktzulassung im Jahr 2022 an.

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Dr. Daniela Marino, Cutiss
Dr. Daniela Marino, Mitgründerin des Unternehmens 'Cutiss'.
 

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