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12. September 2017

Kampf gegen Fälschung und Piraterie

Gefälschte Produkte schaden nicht nur der Volkswirtschaft, sie gefährden auch die Gesundheit der Konsumenten. Um den Herausforderungen begegnen zu können, braucht es neue Massnahmen. Die gesamte Vertriebskette der Produkte rückt in den Fokus.

Seit 10 Jahren engagiert sich STOP PIRACY im Kampf gegen Fälschung und Piraterie. Gemeinsam mit Behörden und der Wirtschaft werden die Konsumenten über die Risiken von gefälschten und illegal kopierten Produkten aufgeklärt. Der wachsende Onlinehandel führt dazu, dass Konsumentinnen und Konsumenten aus einer noch grösseren Vielzahl an illegalen Angeboten wählen können. Gefälscht wird fast alles, von der Markentasche, über die DVD bis hin zur Schokolade. Gefälschte Produkte richten nicht nur einen volkswirtschaftlichen Schaden an, sie gefährden auch die Gesundheit der Konsumenten. So beispielsweise, wenn ein gefälschtes Medikament nicht heilt oder sich ein gefälschter Airbag bei einem Unfall nicht öffnet.

Um den wachsenden Herausforderungen begegnen zu können, werden sich die Massnahmen zur Verfolgung von Produktepiraterie weiter verändern müssen, wobei die gesamte Vertriebskette der Produkte stärker in den Fokus rückt. «Es braucht einen noch engeren Austausch zwischen allen Beteiligten – und dazu gehören auch Vermittler wie Kreditkartenanbieter, Kurierdienste und die Werbebranche», sagt Jürg Herren, Vizepräsident von STOP PIRACY. An der am vergangenen Freitag in Neuchâtel von STOP PIRACY und der Universität Neuchâtel durchgeführten Tagung standen denn auch die Intermediäre - Werbe-, Logistik- und Finanzdienstleister – im Zentrum. Laurent Audaz, Leiter Rechtsdienst bei der zweitgrössten Rederei der Welt, der Mediterranean Shipping Company SA (MSC), erläuterte, wie unmöglich es sei, jeden Container zu kontrollieren. Die Menge sei immens, die Container seien versiegelt und dürften grundsätzlich nur geöffnet werden, wenn Gefahr für das Schiff und die Umwelt bestehe. Informationsaustausch und Kooperationen bezeichnete er als effektivstes Mittel, um gegen Produktepiraterie vorzugehen. Eine zentrale Aufgabe komme dabei dem Zoll zu.

Spezialeinheit der Londoner Polizei

Konkrete Erfolge vorweisen kann die Londoner Polizei. Sie hat als erste weltweit vor vier Jahren die Spezialeinheit Police Intellectual Property Crime Unit (Pipcu) geschaffen. Kevin Ives, leitender Detektiv bei der Pipcu, berichtete, dass sie seit Gründung der Einheit 27 000 Websites vom Netz genommen haben, die gefälschte Produkte, wie Uhren, Kleider, Schuhe, Schmuck oder Handys angeboten hatten. Ein anderes Mittel, um Fälschern das Handwerk zu legen, sind «schwarze Listen», auf welchen die schlimmsten illegalen Websites aufgeführt sind. Diese Listen werden grossen Firmen zur Verfügung gestellt, um das Inserieren auf den illegalen Websites zu verhindern. Innerhalb eines Jahres sei die Werbung auf den illegalen Websites um zwei Drittel eingebrochen, sagte Ives. Die Sondereinheit wird nicht aus Steuergeldern, sondern aus Urheberrechts- und Patentgebühren finanziert. Europaweit wird versucht, dem Problem mit neuen Verhaltensregeln zu begegnen. Die EU-Kommission setzt dabei weniger auf neue Gesetze, als vielmehr auf die Selbstregulierung der beteiligten Vermittler in der Vertriebskette. Dies ist auch für die Schweiz ein möglicher Weg. «Die Selbstregulierung ist flexibler und schneller», sagte Jürg Herren.

Medicrime-Konvention wird umgesetzt

Um den Handel mit gefälschten Medikamenten bekämpfen zu können, hat gestern der Nationalrat die Medicrime-Konvention des Europarats genehmigt. Die Schweiz kann somit dem Medicrime-Übereinkommen des Europarats beitreten. Der Nationalrat stimmte mit 175 zu 0 Stimmen der Umsetzung der Medicrime-Konvention zu. Zuvor hatte bereits der Ständerat die Konvention genehmigt.

Kampf gegen #Fälschung und #Piraterie – enger Austausch zwischen allen Beteiligten ist nötig. @STOPPIRACY_CH http://bit.ly/2xhMbFj #iph
STOP PIRACY_gefälschte Uhren
Seit zehn Jahren setzt sich STOP PIRACY gegen Fälschung und Piraterie ein.
 

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