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29. September 2017

Wenn zuviel Insulin produziert wird

Die Ursache von Diabetes ist ein Mangel an Insulin. Auch das umgekehrte Krankheitsbild ist anzutreffen: Dass nämlich Insulin im Übermass produziert wird. Ein Genfer Forscherteam ist den genetischen Ursachen dieser Krankheit auf den Grund gegangen.

Beim angeborenen Hyperinsulinismus wird das Hormon Insulin von der Bauchspeicheldrüse zu häufig und übermässig hergestellt. Führt bei Diabetes ein Insulinmagel zu überhöhten Blutzuckerwerten, führt der Insulinüberschuss beim Hyperinsulinismus zu einer chronischen Unterzuckerung (Hypoglykämie). Die glücklicherweise nur selten auftretende Krankheit hat für den Organismus von Neugeborenen schwerwiegende Folgen: Das Gehirn kann massiv geschädigt werden und in schweren Fällen zum Tod der Patienten führen. Ein Forscherteam der Universität Genf hat nun in der Fachzeitschrift 'Human Molecular Genetics' neue Erkenntnisse zu den genetischen Ursachen der Krankheit vorgelegt. Das Forschungsprojekt ist vom Schweizerischen Nationlfonds unterstützt worden.

GDH-Protein strukturell verändert

„Hyperinsulinismus ist eine monogenetische Krankheit, sie wird also durch ein einzelnes, krankhaft verändertes Gen hervorgerufen“, sagt Dr. Pierre Maechler, Professor am Fakultätszentrum für Diabetes an der Universität Genf. „Doch an welcher Stelle die Punktmutation des Gens auftritt, variiert zwischen den einzelnen Patienten.“ Pierre Maechler und sein Forscherteam haben sich mit einer dieser Mutationen befasst und dabei die Ursachen des Hyperinsulinismus genauer beschrieben: Die erwähnte Mutation führt zu einer strukturellen Veränderung des GDH-Proteins, das die Insulinausschüttung in der Bauchspeicheldrüse steuert. Diese strukturelle Veränderung hat zur Folge, dass die Insulinausschüttung nicht gestoppt wird, wenn der hinreichende Blutzuckerspiegel erreicht ist.

Insulinausschüttung kontrollieren

„Das Verständnis der molekularen Mechanismen könnte längerfristig die Entwicklung neuer Wirkstoffe ermöglichen, welche die fehlgeleitete Insulinausschüttung korrigieren. Bis ein solcher Wirkstoff für Patientinnen und Patienten zur Verfügung steht, ist zwar noch ein weiter Weg zu gehen, aber es ist sicher ein Versuch wert“, sagt Pierre Maechler. Bisher lässt sich die genetische Krankheit nämlich nicht befriedigend behandeln. Bei einem Teil der Patienten wird die Bauchspeicheldrüse fast vollständig entfernt, was die Krankheit zwar wirksam beseitigt, aber stattdessen Diabetes nach sich zieht. Die andere bestehende Therapie ist die Verabreichung von Diazoxid. Mit dem Wirkstoff können Ärzte die Insulinproduktion – mit bedingter Verlässlichkeit – regulieren, allerdings verbunden mit erheblichen Nebenwirkungen.

Genfer Forscher zeigen, wie die seltene genetische Krankheit #Hyperinsulinismus entsteht. #selteneKrankheiten http://bit.ly/2ydtwfq #iph
Prof. Dr. Pierre Maechler, Universität Genf
Prof. Dr. Pierre Maechler, Universität Genf
 

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