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4. Oktober 2017

Frühkindliche Lebertumoren unterscheiden

Forscher der ETH Lausanne haben einen Weg gefunden, um zwei Hauptformen von frühkindlichen Lebertumoren anhand ihres Stoffwechsels zu unterscheiden. Die Erkenntnisse könnten künftig bei Diagnose und Therapie helfen.

Ein Hepatoblastom ist ein seltener Krebstumor der Leber, der meistens bei Säuglingen und bei Kleinkindern bis drei Jahre auftritt. Der Lebertumor kann verschiedene Formen annehmen. In einer ersten Form besteht das Krebsgeschwür ausschliesslich aus Krebszellen, die das fötale Entwicklungsstadium (9. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt) reflektieren. In einer zweiten Form umfasst der Tumor nicht nur fötale Krebszellen, sondern auch embryonale Krebszellen, die das Embryonalstadium (Befruchtung bis zur 8. Schwangerschaftswoche) widerspeigeln. „Aus welchen Zellen der Tumor besteht, ist von grosser Bedeutung, denn Patienten mit ausschliesslich fötalen Leberkrebszellen haben eine gute Überlebensprognose, während Patienten, bei denen fötale und embryonale Krebszellen gemischt auftreten, eine schlechte Prognose haben“, sagt Prof. Etienne Meylan von der ETH Lausanne.

Zuverlässigere Diagnose

Etienne Meylan hat nun mit seinem Forscherteam neue Erkenntnisse zu Hepatoblastomen gewonnen. Darüber berichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Fachzeitschrift 'EMBO Molecular Medicine'. Konkret haben die Forscher mehrere Biomarker ausfindig gemacht, mit denen die beiden oben beschriebenen Formen von Hepatoblastomen zuverlässiger unterschieden werden können, als dies mit den gängigen Gewebeuntersuchungen möglich ist. Die neu entdeckten Biomarker bestehen aus Proteinen, die eine bestimmte Funktion im Glukose-Stoffwechsel der Leberzellen haben und die entweder nur in fötalen oder nur in embryonalen Tumorzellen vorkommen. Die 'Stoffwechsel-Biomarker' können benutzt werden, um ein fötales von einem gemischten Hepatoblastom (fötal/embryonal) zu unterscheiden, wie die Forscher aus Lausanne berichten.

Tumorwachstum hemmen

Die Stoffwechsel-Biomarker dürften aber nicht nur dazu geeignet sein, die verschiedenen Arten von Hepatoblastomen im klinischen Alltag zu unterscheiden und damit unter anderen die Aggressivität des jeweiligen Tumors angemessen einschätzen zu können. Etienne Meylan ist zuversichtlich, dass die Erkenntnisse neben der besseren Diagnostik von Leberturmoren auch neue therapeutische Ansätze ermöglichen könnten: „Wenn wir die Unterschiede im Stoffwechsel von fötalen und embryonalen Leberkrebszellen kennen, können wir auf dieser Grundlage Wirkstoffe entwickeln, die den Stoffwechsel der jeweiligen Tumorzellen blockieren und so das Tumorwachstum unterbinden.“ Einen konkreten Ansatzpunkt in diese Richtung bietet das Enzym Hexokinase-1, welches in Zellen den Glukose-Abbau bewerkstelligt und in embryonalen Leberkrebszellen stärker ausgeprägt ist als in fötalen Leberkrebszellen.

Forscher der ETH Lausanne unterscheiden Leberkrebszellen anhand ihres Stoffwechsels. http://bit.ly/2xfS4nH #iph
Das Lebergewebe auf dem linken Foto ist gesund, jenes auf dem rechten Bild besteht aus Krebszellen.
Das Lebergewebe auf dem linken Foto ist gesund, jenes auf dem rechten Bild besteht aus Krebszellen.
 

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