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5. Oktober 2017

Protein sagt den Krankheitsverlauf voraus

Kann bei Patientinnen und Patienten mit Gallenblasenkrebs ein bestimmtes Protein nachgewiesen werden, müssen diese mit einem aggressiven Verlauf der Erkrankung rechnen. Das zeigt ein deutsches Forscherteam in der Fachzeitschrift 'Oncotarget'.

Je früher eine Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Diese Regel gilt für viele Krankheiten, und so auch für Gallenblasenkrebs, wie die Pharmazeutin Dr. Sonja Kessler (Universität des Saarlandes) sagt: „Die Heilung dieses Tumors ist durch eine vollständige Resektion (operative Entfernung) im frühen Krankheitsgeschehen möglich. Häufig wird Gallenblasenkrebs aber erst in fortgeschritteneren Stadien diagnostiziert, da Symptome meist ausbleiben oder unspezifisch sind. Die Therapie dieser fortgeschrittenen Tumoren erfolgt dann meist durch eine palliative (schmerzlindernde) Chemotherapie.“ Sonja Kessler hat nun in einem Forschungsprojekt neue Erkenntnisse gewonnen, die die Behandlung von Gallenblasenkrebs künftig verbessern könnten. An dem Projekt waren Wissenschaftler der Universität des Saarlandes (Prof. Alexandra Kiemer) und der Universität Magdeburg (Johannes Haybäck) beteiligt.

Gutes und schlechtes Wachstum

In Zentrum der neuen Erkenntnisse steht das Protein IMP2. Dieses Eiweiss sorgt (im Verbund mit den Eiweissen IMP1 und IMP3) in der Gebärmutter für das Wachstum des Embryos. Dasselbe Protein spielt aber auch eine Rolle beim Wachstum von Krebstumoren, indem es hier die Teilung der Krebszellen und damit das Wachstum des Geschwürs fördert. Sonja Kessler und ihre Forscherkollegen konnten für Gallenblasenkrebs zeigen, dass der Tumor schneller wächst, wenn viel IMP2 in den Krebszellen enthalten ist. „Denselben Zusammenhang hatten wir zuvor schon für das Hepatozelluläre Karzinom (Leberkrebs) gezeigt. Eine andere Forschungsgruppe stellte denselben Zusammenhang beim Glioblastom (Hirntumor) fest“, sagt Dr. Kessler.

Prognostischer Marker

Die gewonnenen Erkenntnisse könnten es künftig möglich machen, das Protein IMP2 als prognostischen Marker einzusetzen. Konkret bedeutet das: Ärzte würden untersuchen, wie viel IMP2 ein Patient im Gewebe der Gallenblase aufweist. Aus der Konzentration des Proteins könnten sie dann Rückschlüsse auf den Verlauf des Krebsleidens ziehen. Dabei gilt: Je höher die Konzentration von IMP2, desto schlechter die Prognose für die Patientin bzw. den Patienten. Prognostische Marker helfen den behandelnden Ärzten, die Therapie möglichst genau auf den individuellen Patienten zuzuschneiden. Die Forscher aus dem Saarland und aus Magdeburg sind überzeugt, dass IMP2 auch bei der Entwicklung neuer Krebsmedikamente helfen könnte. Diese neuen Wirkstoffe wären so beschaffen, dass sie die Herstellung des Proteins IMP2 unterbinden und damit seine krebsfördernde Wirkung eliminieren.

Das Protein IMP2 verrät, wie aggressiv sich ein Gallenblasenkrebs entwickelt. http://bit.ly/2yZxzcn #iph
Sonja Kessler
Die Pharmazeutin Dr. Sonja Kessler von der Universität des Saarlandes. Foto: Ehrlich
 

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