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19. Oktober 2017

Ein Wundkleber mit neuen Eigenschaften

Kleine Wunden werden mit einem Pflaster versorgt, grössere mitunter genäht. Für schwer zugängliche Wunden, arbeiten Forscherinnen und Forscher der Empa jetzt an einem neuen Verfahren: Wunden werden mit mithilfe von Nanopartikeln verklebt.

Äussere Wunden lassen sich grösstenteils gut versorgen. Bei inneren oder anderen schlecht zugänglichen Wunden könnte künftig ein neuartiger Wundkleber zur Anwendung kommen, der zurzeit an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in St. Gallen entwickelt wird. Der von den Empa-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftlern hergestellte Wundkleber basiert auf Nanopartikeln. Diese versprechen Vorteile gegenüber gängigen Wundklebern auf der Grundlage des körpereigenen Proteins Fibrin, welche teuer sind und mitunter unliebsame Immunreaktionen auslösen.

Unterschiedliche Materialkombinationen

In einer jüngst veröffentlichten Studie hat der Empa-Nachwuchswissenschaftler Martin Matter gezeigt, wie sich Schweinedärme mit bioaktiven Metalloxidpartikeln zusammenkleben lassen. Bei den Partikeln handelt es sich um Nanopartikel, also kleinste Teilchen in der Grössenordnung von Nanometern (Millionstelmillimetern). Martin Matter ist Doktorand im Forschungsteam von Dr. Inge Katrin Herrmann und Erstautor der Studie. Nach Auskunft der Empa-Forscher lassen sich Wundkleber aus verschiedensten Arten von Nanopartikeln herstellen: „Die Herstellungsmethode der Partikel – die sogenannte „flame spray pyrolysis“ – lässt eine grosse Freiheit bei der Zusammensetzung der Partikel zu. Je nach Anwendungszweck sind andere Wirkungsweisen nötig, die durch abgestimmte Mischungen verschiedener Elemente erreicht werden“, sagt Martin Matter. So könnten für verschiedene Operationen und Anwendungen die jeweils passenden Wundkleber hergestellt werden, hoffen die Forscher.

Lokale Anwendung

Nachdem Bioaktivität in vitro und in vivo etabliert wurde, wird der nächste Schritt sein, ein bestimmtes chirurgisches Problem auszuwählen und eine Nanopartikel-basierte Lösung zu entwickeln, die dafür ideal abgestimmte Eigenschaften besitzt, skizziert das Forschungsteam das weitere Vorgehen. Wenn ein solcher Wundkleber künftig einmal für die Behandlung von Patientinnen und Patienten bereitsteht, wird er topisch (lokal) angewendet werden. „Trotz bis anhin guter Verträglichkeit der Partikel wird unser Ziel sein, dass bereits eine geringe Dosis eine Wirkung erzielt und die Partikel sich nicht vom Anwendungsort wegbewegen“, sagt Martin Matter. „Dies sorgt einerseits dafür, dass sie am vorgesehenen Ort ihre Wirkung entfalten, und andererseits, dass sie sich nicht im Körper verteilen. Die gute Adhäsion auf dem Gewebe sollte dafür sorgen, dass dieses Ziel erreicht wird.“

Empa-Forscherinnen und -Forscher arbeiten an einem neuen Typ von Kleber zur Behandlung schwer zugänglicher Wunde http://bit.ly/2innMca #iph
Martin Matter evaluiert verschiedene Nanopartikel
Martin Matter evaluiert verschiedene Nanopartikel
 

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