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26. Oktober 2017

Brustkrebs besser erkennen

Das Jungunternehmen GratXray arbeitet an der Entwicklung eines neuen Geräts, das Brustkrebs-Untersuchungen zuverlässiger und angenehmer machen soll. Die zugrunde liegende Technologie stammt vom Paul Scherrer Institut (Villigen/AG) und der ETH Zürich.

„Bei den heutigen Mammografie-Untersuchungen wird die Brust zwischen zwei Platten gepresst, was für die Frauen unangenehm oder sogar schmerzhaft ist. Das ganz grosse Manko der gängigen Untersuchungen ist aber, dass bei relativ vielen Frauen zunächst ein positiver Krebsbefund anzeigt wird, obwohl in 80% dieser Fälle gar kein Brustkrebs vorliegt. Das setzt die Frauen und ihre Familien während den zwei Wochen, bis der definitive Befund eintrifft, einer schrecklichen Zeit der Ungewissheit aus.“ Mit diesen Worten beschreibt Martin Stauber die zwei Defizite der aktuellen Mammografie-Untersuchungen. Der promovierte Physiker ist CEO des Jungunternehmens GratXray. Das im Juli 2017 gegründete Spin-off des Paul Scherrer Instituts (PSI) und der ETH Zürich will die beiden Nachteile mit einem neuen Brustuntersuchungsgerät beheben.

Eine präzisere Art der Computertomografie

Das neuartige Gerät verwendet zur Untersuchung der Brust Röntgenstrahlen, so wie die heute gängigen Computertomografen. Neu kommt allerdings ein Verfahren zum Einsatz, das von Forschern um Prof. Marco Stampanoni an der ETH und am PSI entwickelt wurde und das unter Fachleuchten als Gitterinterferometrie bekannt ist. „Im Unterschied zur bisherigen Mammografie nutzt unser Verfahren nicht nur die Abschwächung der Röntgenstrahlen durch das menschliche Gewebe, sondern auch die Informationen, wie stark die Strahlen durch das Gewebe gebrochen und gestreut werden“, erläutert Martin Stauber. Dadurch könnten viel genauere und erst noch dreidimensionale Bilder der Brust erstellt werden. „Wir hoffen, die Untersuchungen mit der gleichen oder sogar mit einer tieferen Strahlendosis als heute durchführen zu können“, sagt der 43jährige Wissenschaftler, der bereits früher ein Start-up zur Knochenuntersuchung mittels Computertomografie aufgebaut hat.

Nächster Schritt: ein Prototyp

Labortests am PSI haben gezeigt, dass das neuartige Untersuchungsgerät im Prinzip funktioniert. Bevor aus der Vision eine klinische Anwendung werden kann, muss nun ein Prototyp entwickelt werden. Das wollen Martin Stauber und Firmenmitgründer Zhentian Wang in den nächsten zwei Jahren am Innovationsstandort 'Park Innovaare' in unmittelbarer Nachbarschaft zum PSI realisieren. Wenn das Entwicklungsprojekt erfolgreich endet, könnte mit dem neuen Untersuchungsgerät nicht nur fetthaltiges Brustgewebe untersucht werden, sondern auch dichtes Brustgewebe, das bekanntermassen mit einem erhöhten Tumorrisiko einhergeht und heute oft Zusatzuntersuchungen mit Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRI) erfordert. „Mit unserem Verfahren würden sich solche Zusatzuntersuchungen erübrigen“, blickt Martin Stauber in die Zukunft.

Schweizer Start-up GratXray will #Brustkrebs-Untersuchung für Frauen zuverlässiger und angenehmer machen. http://bit.ly/2gKnyLA #iph
So könnte die Brustuntersuchung in Zukunft ablaufen: Die Frau liegt auf einem Untersuchungstisch, in dem eine Öffnungen Platz für die Brust lässt.
So könnte die Brustuntersuchung in Zukunft ablaufen: Die Frau liegt auf einem Untersuchungstisch, in dem eine Öffnungen Platz für die Brust lässt.
 

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