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27. Oktober 2017

Zellanomalien bei Lungenkrebs

Ein Berner Forscherteam beschreibt in einer aktuellen Studie neu entdeckte Zusammenhänge zwischen Bindegewebszellen und Lungenkrebs. Die Erkenntnisse könnten den Weg ebnen für die Entwicklung von Immuntherapien gegen Lungentumoren.

Keine Krebsart ist global betrachtet so häufig wie Lungenkarzinome. Die damit einhergehenden Tumoren kann man anhand der Grösse der Krebszellen in kleinzellige und nicht-kleinzellige Karzinome unterteilen, wobei die beiden Formen einer unterschiedlichen Behandlung bedürfen. Forscherinnen und Forscher von Universität und Inselspital Bern haben sich in einer aktuellen Untersuchung mit dem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom befasst. „Zwischen 80 und 85 Prozent der Lungenkrebsfälle gehen auf das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom. Betroffen sind in hohem Mass Raucher. Das Durchschnittsalter bei der Diagnose ist 70 Jahre“, sagt Dr. Colette Bichsel, Erstautorin der erwähnten Studie.

Perizyten mit bemerkenswerten Anomalien

Die Berner Wissenschaftler konnten bei der Untersuchung von Tumorgewebe zeigen, dass eine spezielle Art von Zellen bei den erwähnten Lungentumoren eine wichtige Rolle spielt. Es handelt sich bei den Zellen um sogenannte Perizyten. Das sind Bindegewebszellen, denen die Aufgabe zukommt, die Wände der Blutgefässe abzudichten. Bei den aus Tumorgewebe entnommenen Perizyten stellten die Forscher mehrere Anomalien fest: Das entzündungsfördernde Eiweiss Interleukin-6 war darin übermässig vorhanden, ebenso der Hemmstoff PD-L1, der die körpereigene Immunantwort unterdrückt. Die Perizyten bzw. die darin enthaltenen Stoffe scheinen beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs die Entzündung zu fördern und die Immunantwort, mit der sich der Körper normalerweise schützt, zu bremsen. Über diese Erkenntnisse berichten die Wissenschaftler in 'Scientific Reports'.

Besseres Verständnis von Immuntherapien

„Unsere Forschungsarbeit bietet nicht direkt neue Optionen zur Entwicklung neuer Immuntherapien, vielmehr erweitert sie unser Wissen über die Zelltypen, welche auf eine Immuntherapie ansprechen“, betont Colette Bichsel, die unterdessen an der Harvard Medical School in Boston (USA) tätig ist. „Die Studie zeigt auf, dass mit PD-L1 Immuntherapien auch Zellen in den Blutgefässwänden angesprochen werden und dass sich die Blutgefässe im Krebsgewebe somit bei einer Immuntherapie normalisieren könnten. Diese Hypothese muss aber noch im Labor getestet und falls möglich mit klinischen Daten abgeglichen werden. Unsere Arbeit trägt also dazu bei, die Wirkungsweise von Immuntherapien zu verstehen“, so Bichsel.

Bei einem erfolgreichen Fortgang dieser Arbeiten könnten die Erkenntnisse aus der Berner Studie mittelfristig bei der Entwicklung neuer Immuntherapien gegen Lungentumoren helfen. Dazu Ralph Schmid, Direktor der Universitätsklinik für Thoraxchirurgie am Inselspital Bern und Professor am Department of Biomedical Research (DBMR) der Universität Bern: „Der nächste Schritt hin zu einer Immuntherapie bestünde darin, ein Target zu finden, um die immunmodulatorische Funktion der Perizyten zu beeinflussen. Dies würde das krebsbedingt geschwächte Immunsystem wieder in die Lage versetzen, den Tumor zu attackieren und so die Krankheit zurückzubinden.“

Berner Forscherteam hat Erkenntnisse gewonnen, die mittelfristig #Immuntherapien bei #Lungenkrebs voranbringen. http://bit.ly/2yTulcM #iph
Aufnahmen von Blutgefässen, die von 'normalen' Perizyten abgedichtet werden (obere Reihe), verglichen zu Blutgefässen mit Perizyten aus Tumorgewebe (unten). Die Gefässe unten sind deutlich undichter
Aufnahmen von Blutgefässen, die von 'normalen' Perizyten abgedichtet werden (obere Reihe), verglichen zu Blutgefässen mit Perizyten aus Tumorgewebe (unten). Die Gefässe unten sind deutlich undichter
 

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