Themen

1. November 2017

65-Jährige sind heute geistig fitter

Wer 65 Jahre alt ist, verfügt heute im Durchschnitt über eine bessere kognitive Leistungsfähigkeit als ein 65-Jähriger vor 20 Jahren. So der Befund der Interdisziplinären Längsschnittstudie des Erwachsenenalters (ILSE) der Universität Heidelberg.

Im Jahr 1993 hat das Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg die ILSE-Studie gestartet, die bis heute mit Beteiligung von Forschern der Universitätsklinik Heidelberg und der Universität Leipzig fortgeführt wird. Im Zuge der Studie werden Menschen in zeitlichen Abständen ärztlich untersucht bzw. zu ihrem Gesundheitszustand befragt. Von den gut 1000 Personen, die an der Studie zu Beginn teilnahmen, sind heute 570 noch immer dabei, teilweise in hohem Alter. Auf der Grundlage der gewonnenen Daten konnten die Wissenschaftler den Gesundheitszustand der heute 65-Jährigen vergleichen mit dem Gesundheitszustand der Menschen, die vor 20 Jahren 65 waren. Dabei hat sich gezeigt: Die heute 65-Jährigen sind geistig fitter.

Besseres räumliches Vorstellungsvermögen

Der jüngste Befund der ILSE-Studie beziehe sich auf die kognitive Leistungsfähigkeit der untersuchten Personen, sagt Prof. Dr. Johannes Schröder, Leiter der Gerontopsychiatrischen Forschung am Universitätsklinikum Heidelberg: „Die heute 65-Jährigen haben ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen, und sie haben eine bessere Umstellungsfähigkeit. Letzteres bedeutet, dass es ihnen besser gelingt, zwei Dinge gleichzeitig zu tun oder von einer Aufgabe schnell zu einer anderen zu wechseln.“ Gründe für die bessere Leistungsfähigkeit sehen die Wissenschaftler bei der (um ca. ein Jahr) längeren Ausbildungszeit und den gestiegenen kognitiven Anforderungen in Freizeit und Beruf. Ob die heute 65-Jährigen auch körperlich in besserer Verfassung sind, kann der Heidelberger Altersforscher zur Zeit noch nicht sagen. „Vermutlich ist das so, die entsprechenden Daten haben wir aber noch nicht ausgewertet.“

Medikamente halten gesund

Darf man aus den Ergebnissen den Schluss ziehen, dass die heute 65-Jährigen mit weniger Medikamenten auskommen als die Menschen, die vor 20 Jahren dieses Alter hatten? Keineswegs, vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Die heute 65-Jährigen sind im Durchschnitt gerade deshalb geistig fitter, weil ihnen geeignete Medikamente zur Verfügung stehen, wie Johannes Schröder erläutert: „Anfang der 1990er Jahre wurde zum Beispiel Hypercholesterinämie kaum je behandelt, heute bekommt jeder Statine, der sie braucht. Man hat auch den Eindruck, dass die Einstellung des Bluthochdrucks über die Jahre besser geworden ist. Für die Bestätigung dieser Aussage fehlen uns allerdings noch die wissenschaftlichen Auswertungen.“

Nach dem Befund der ILSE-Studie leiden die heute 65-Jährigen auch seltener als Gleichaltrige vor 20 Jahren an einer leichten kognitiven Beeinträchtigung, die als Vorstufe der Alzheimer-Krankheit gilt. Die beteiligten Forscher ziehen daraus den Schluss, dass Menschen immer älter werden, bis sie ein bestimmtes Demenzrisiko aufweisen. Das ist eine gute Nachricht für eine Gesellschaft, in der Menschen immer älter werden, wie Prof. Schröder feststellt: „Die Menschen werden nicht nur immer älter, auch das Demenzrisiko verschiebt sich immer mehr ins Alter. Damit dürfte die Zahl der Demenzfälle am Ende tiefer zu liegen kommen als in manch einer Prognose bisher befürchtet.“

Die kognitive Leistungsfähigkeit der 65-Jährigen ist heute besser als vor 20 Jahren. http://bit.ly/2z8kHTw #iph
älterer Mann füllt Dosett, Medikamente
 

Weitere Themen