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2. November 2017

Antibiotika-Therapie nach Mass

Die Behandlung mit Antibiotika lässt sich mithilfe eines Stoffes, den man im Blut nachweisen kann und der Auskunft über das aktuelle Ausmass der bakteriellen Infektion gibt noch genauer an die Bedürfnisse der einzelnen Patienten anpassen.

Gegen bakterielle Infektionen helfen Antibiotika. In welchem Ausmass Antibiotika verschrieben werden müssen, um einer Ansteckung Herr zu werden, ist für die behandelnde Ärztin bzw. den behandelnden Arzt nicht immer leicht festzustellen. Eine wichtige Hilfe kann der Stoff Procalcitonin leisten: Diese Substanz ist im Blut nachweisbar, sofern infolge einer Infektion eine bakterielle Entzündung vorliegt. Wenn Mediziner den Procalcitonin-Wert messen, wissen sie genauer über die bakterielle Infektion Bescheid. „Die Procalcitonin-Messung erlaubt eine individualisierte Behandlung gemäss dem Verlauf der Krankheit, das heisst bei gutem Ansprechen auf das eingesetzte Antibiotikum fällt der Infektionsmarker schneller ab und entsprechend kann die Behandlungsdauer verkürzt werden“, sagt Prof. Dr. Philipp Schuetz (Universität und Universitätsspital Basel/Kantonsspital Aarau).

Kürzere Behandlung, besseres Ergebnis

Der Infektionsmarker Procalcitonin ist nicht neu; er wird heute im klinischen Alltag schon breit eingesetzt – insbesondere bei der notfallmässigen Behandlungen von Atemwegserkrankungen und von Blutvergiftungen (Sepsis). Unter der Leitung von Philipp Schuetz hat nun ein internationales Forscherteam den Nutzen des Infektionsmarkers vertieft untersucht. Dabei hat sich gezeigt, dass die Antibiotika-Therapie mit Hilfe von Procalcitonin nicht nur verkürzt, sondern auch der Behandlungserfolg erhöht werden konnte. So wurde die Sterblichkeitsrate (Mortalität) signifikant reduziert, ebenfalls das Ausmass von Nebenwirkungen, wie die beteiligten Forscherinnen und Forscher in der Fachzeitschrift 'The Lancet Infectious Diseases' berichten.

Resistenzbildung eindämmen

Die Ergebnisses des Forschungsprojekts sind nicht zuletzt vor dem Hintergrund der weltweit beobachteten Zunahme von Antibiotika-Resistenzen von Bedeutung. Dazu die Einschätzung von Prof. Schuetz: „Die Überverschreibung von Antibiotika bei Atemwegserkrankungen ist immer noch beachtlich. Ein breiter Einsatz von Procalcitonin würde helfen, dieses Problem mindestens zu entschärfen. Internationale Guidelines sollten nun auch diesen Gedanken aufnehmen.“ Für die Studie hatten insgesamt 26 Forschungsgruppen aus zwölf Staaten Daten von rund 6700 Patientinnen und Patienten analysiert.

Ein Infektionsmarker im Blut ermöglicht eine individuell abgestimmte #Antibiotika-Behandlung. http://bit.ly/2zc551v #iph
Prof. Dr. Philipp Schuetz (Universität und Universitätsspital Basel/Kantonsspital Aarau
Prof. Dr. Philipp Schuetz
 

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