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3. November 2017

Eine optimierte Chemotherapie

Ein internationales Forscherteam unter Leitung der Universität Bern hat neue Grundlagen vorgelegt, die die Wirksamkeit von Chemotherapien gegen Brustkrebs und weitere Tumorarten bei ausgewählten Patientinnen und Patienten weiter verbessern könnten.

Eine Chemotherapie kann metastasierte Krebszellen wirksam eliminieren. Allerdings schaffen es einzelne Tumorzellen immer wieder, sich der Wirkung des medizinischen Wirkstoffs zu entziehen – und die Krebserkrankung nach der Behandlung neu entstehen zu lassen. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Prof. Sven Rottenberg (Universität Bern) konnte nun zeigen, wie einzelne Brustkrebszellen die Chemotherapie überdauern. Der Grund liegt darin, dass Chemotherapien hauptsächlich auf aktive, sich teilende Zellen zielen. Ein Teil der Krebszellen kann sich der Wirkung des Chemotherapeutikums entziehen, indem sie ihr Wachstum temporär unterbrechen. Diese 'Schläferzellen' sind der Grund, dass die Krebserkrankung trotz an sich wirksamer Behandlung fortbesteht bzw. wieder von neuem aufflammt.

Inaktives BRCA1-Gen

Die 'Schläferzellen' sind allerdings nicht in jedem Fall in der Lage, sich der Wirkung von chemotherapeutischen Wirkstoffen zu entziehen. Weisen die Zellen nämlich eine bestimmte Mutation in ihrem Erbgut auf (inaktives BRCA1-Gen), können sie mit Medikamenten doch noch zerstört werden. Sven Rottenberg bringt die Haupterkenntnis seines Forscherteams auf den Punkt: „Durch den gezielten Einsatz einer intensivierten Chemotherapie mit bestimmten alkylierenden Stoffen (sogenannte „DNA crosslinker“) kann bei Brustkrebstumoren mit inaktivem BRCA1-Gen eine komplette Heilung (inklusive der Schläferzellen) herbeigeführt werden, zumindest im Mausmodell. Im Zusammenhang mit einer modernen, individualisierten Krebstherapie wäre daher zu überlegen, ob bei den Krebspatientinnen, welche einen metastasierten Tumor haben, in welchem BRCA1 inaktiviert ist, eine solche intensivierte Chemotherapie eine Option ist.“ Die Wissenschaftler haben ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift 'Clinical Cancer Research' veröffentlicht.

Neue 'Zielscheiben' für Medikamente

Die oben ausgeführten Ergebnisse sind nicht nur für Brustkrebs von Bedeutung. Die entsprechenden Mechanismen gelten analog bei Patientinnen und Patienten mit Eierstock-, Prostata- oder Magenkrebs. Welches ist der nächste Schritt, um auf der Grundlage der Forschungsergebnisse eine neue Krebstherapie zu entwickeln? Dazu Sven Rottenberg, der vor seinem Wechsel an die Universität Bern zehn Jahre am niederländischen Krebsforschungszentrum in der Grundlagenforschung gearbeitet hat: „Eine intensivierte Chemotherapie hat natürlich auch sehr starke Nebenwirkungen. Als nächsten Schritt charakterisieren wir daher die Schläferzellen genauer und probieren spezifische Merkmale, z.B. spezifische Oberflächenproteine zu bestimmen. Diese könnten dann 'drug targets' für neue Medikamente sein.“

Patienten mit einer bestimmten #Genmutation könnte künftig eine intensivierte Chemotherapie helfen. http://bit.ly/2h6Wzdu #iph
Schläferzellen
"Schläferzellen" (ohne farbigen Zellkern) neben aktiven, sich teilenden Tumorzellen (rote oder grüne Zellkerne).
 

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