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6. November 2017

Kampf der Malaria

Früher sprach man vom 'Sumpffieber', heute ist die Bezeichnung 'Malaria' geläufig. Die Auswirkungen der Infektionskrankheit sind noch immer verheerend. Nun sind Forscherinnen und Forscher aus Genf und Bern einem neuen Therapieansatz auf der Spur.

Reisende aus entwickelten Staaten schützen sich in der Regel mit einer Prophylaxe gegen die Ansteckung mit Malaria. Viele Menschen in tropischen und subtropischen Gebieten der Erde sind der Infektionskrankheit hingegen schutzlos ausgeliefert. Mehr als 500'000 Menschen fallen der Krankheit denn auch jedes Jahr zum Opfer, ein grosser Teil davon Kinder unter fünf Jahren. Für die Übertragung des Erregers – ein einzelliger Parasit der Gattung Plasmodium – sorgt die weibliche Anopheles-Steckmücke. Forscherinnen und Forscher der Universitäten Genf und Bern haben nun Erkenntnisse gewonnen, die den Kampf gegen die heimtückische Infektionskrankheit mittelfristig voranbringen könnten. Darüber berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin 'Science'.

Zwei Proteasen und ein Hemmstoff

Die wichtigsten Grundlagen für die neue Entdeckung wurden in den letzten fünf Jahren an der Universität Genf gelegt, wie Prof. Dominique Soldati-Favre berichtet: „Wir haben in Genf zwei Proteasen – Plasmepsin IX und Plasmepsin X – identifiziert und sowohl hinsichtlich ihrer Funktion als auch ihrer biochemischen Beschaffenheit charakterisiert. Bei diesen zwei Proteasen handelt es sich um Enzyme, die vom Malaria-Erreger Plasmodium produziert werden und die bei der Übertragung der Krankheit eine wichtige Rolle spielen. Darüber hinaus haben wir mit 49c einen Stoff gefunden, der in der Lage ist, die beiden Proteasen zu inhibieren (hemmen).“ Forscher der Universität Bern waren an dem Projekt mit beteiligt. Sie untersuchten mit ihren Geräten, wie sich der Hemmstoff 49c auf die Entwicklung des Parasiten im Organismus der weiblichen Steckmücke und später beim Befall der menschlichen Leber auswirkt.

Hemmstoff optimieren

Die jüngsten Erkenntnisse könnten die Entwicklung von Wirkstoffen gegen Malaria voranbringen, ist Dominique Soldati-Favre überzeugt. Vor den Wissenschaftlern liegt aber noch ein schönes Stück Weg. „49c ist fähig, die beiden Proteasen bei einer geringen Konzentration zu hemmen. Um als medizinischer Wirkstoff eingesetzt werden zu können, muss dieser Stoff in einem nächsten Schritt chemisch optimiert und so seine Bioaktivität verbessert werden“, sagt die Genfer Mikrobiologin. Soldati-Favre ist überzeugt, einen wirksamen Ansatzpunkt im Kampf gegen Malaria gefunden zu haben: „49c blockiert beide Proteasen gleichzeitig. Nach meiner Auffassung sind Hemmstoffe, die beide Enzyme zugleich blockieren können, sehr vielversprechend, denn dies dürfte das Auftreten von Resistenzen bei den Parasiten erschweren.“ 49c blockiert nicht nur die Entwicklung des Parasiten im Blut, sondern unterbindet auch die Übertragung vom Menschen auf die Stechmücken und den Übergang von der Leber ins Blut. Die Forscher aus Genf und Bern hoffen daher, dass der angepeilte Behandlungsansatz die Krankheit nicht nur heilen, sondern auch die Ausbreitung der Krankheit eindämmen kann.

Forscherinnen und Forscher aus Genf und Bern finden einen neuen Ansatzpunkt im Kampf gegen #Malaria. http://bit.ly/2y7wa2u #iph
Die Proteasen Plasmepsin IX und Plasmepsin X spielen eine wichtige Rolle bei der Übertragung von Malaria
Die Proteasen Plasmepsin IX und Plasmepsin X spielen eine wichtige Rolle bei der Übertragung von Malaria
 

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