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7. November 2017

Gemeinsame Suche nach neuen Antibiotika

Da immer mehr Bakterien gegenüber Antibiotika resistent sind, werden gegen Problemkeime neue Antibiotika gebraucht. Weltweit wird an solchen Medikamenten geforscht. Eine entscheidende Rolle spielen dabei Forschungskooperationen.

Die Entdeckung der Antibiotika – Medikamente gegen schädliche Bakterien - gehört zu den grossen Meilensteinen in der Medizingeschichte. Lungenentzündung, Wundinfektionen, Scharlach, Syphilis und viele weitere Krankheiten haben dank Antibiotika ihren Schrecken verloren. Doch der teils übermässige und unvorsichtige Einsatz von Antibiotika führt zunehmend zu resistenten Keimen, sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin.

Eine einfache Lösung des Problems gibt es nicht, weshalb der Kampf gegen Antibiotikaresistenzen weltweit intensiviert wird. Gesucht werden insbesondere neue Mittel gegen gramnegative Bakterien (gram-positive und gram-negative Bakterien unterscheiden sich in ihrem Aufbau) sowie gegen schwer therapierbare Infektionen wie Pseudomonas-Befall der Lunge, Buruli-Ulcus und Infektionen in abgestorbenem Gewebe.

Der «Action Plan on Antimicrobial Resistance» der EU-Kommission von 2011, auf den 2017 der «Action Plan against Antimicrobial Resistance» folgte, setzt hier an. Das Forschungsprogramm NewDrugs4BadBugs (ND4BB) im Rahmen der Product Development Partnership (PDP) Innovative Medicines Initiative (IMI) ist auf sieben Jahre angelegt und vereint akademische Forschungsgruppen sowie Pharma- und Biotechunternehmen. IMI ist eine Public-Private Partnership der Europäischen Kommission und der forschenden Pharmaindustrie in Europa.

Umfassender Informationsaustausch

ND4BB fokussiert unter anderem auf die Weiterentwicklung des Designs klinischer Antibiotika-Studien und organisiert einen umfassenden Informationsaustausch unter den beteiligten akademischen und industriellen Partnern, um die Chancen für die Neuentwicklung von Antibiotika zu erhöhen. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Erforschung neuer Mittel speziell gegen gramnegative Bakterien.

Neben der Schwierigkeit, neue Antibiotika-Klassen mit neuem Wirkprinzip zu finden, kommt erschwerend hinzu, dass neue Antibiotika als Reserve-Antibiotika möglichst selten zum Einsatz gelangen sollen. Für die Pharmaunternehmen bedeutet dies, dass sich die Entwicklung solcher neuen Antibiotika nicht allein über ihren Ertrag refinanzieren lässt. Andere Formen der Preisgestaltung und Kooperationen, welche die ökonomischen Risiken und Lasten gemeinsam tragen, sind dabei mögliche Lösungsansätze.

Umsichtiger Einsatz

Neue Therapien alleine reichen aber nicht aus, um die Gefahr der Antibiotikaresistenz zu bannen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) arbeitet daran, die Prävention und den Kampf gegen Infektionen zu verbessern und einen umsichtigen Einsatz der aktuell und künftig verfügbaren Antibiotika zu fördern. Aus diesem Grund hat die WHO eine Antibiotika Awareness Woche lanciert, die zum ersten Mal auch in der Schweiz durchgeführt wird - vom 13. bis 19. November 2017.

In der Schweiz ist die Sensibilisierungswoche Teil der Umsetzung der nationalen «Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz» (StAR) und verfolgt das Ziel, über laufende Aktivitäten zu informieren und auf die Herausforderungen mit Antibiotikaresistenzen aufmerksam zu machen. Sowohl Experten als auch die Bevölkerung sollen noch besser verstehen können, wie gravierend die Folgen von Antibiotikaresistenzen sind: Betroffen sind Mensch, Tier, Landwirtschaft und Umwelt gleichermassen. Die Woche wird von den Bundesämtern für Gesundheit, Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, Landwirtschaft und Umwelt unterstützt. Zahlreiche Verbände und Organisationen unterstützen die Awareness Woche landesweit mit eigenen Aktivitäten und Aktionen.
 

Der Kampf gegen #Antibiotikaresistenzen kann nur gemeinsam gewonnen werden. http://bit.ly/2hhATLX #iph
Wie und wo Antibiotika wirken
Wie und wo Antibiotika wirken
 

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