Themen

27. November 2017

Chemotherapie könnte verträglicher werden

Nebenwirkungen von medizinischen Wirkstoffen lassen sich nicht immer vermeiden. Das gilt auch für den bei Chemotherapien eingesetzten Stoff Doxorubicin. Forscher aus Hannover sehen nun eine Möglichkeit, die Nebenwirkungen künftig einzudämmen.

Der Einsatz von chemotherapeutischen Wirkstoffen ist ein effizientes Mittel im Kampf gegen Krebserkrankungen. Einer dieser Wirkstoffe heisst Doxorubicin. „Doxorubicin findet standardmässige Anwendung bei der Behandlung von vielen Tumoren wie z. B. Mammakarzinomen, Bronchialkarzinomen und Lymphomen, aber auch bei vielen anderen Krebsarten“, sagt Prof. Dr. Thomas Thum, Direktor des Instituts für Translationale und Molekulare Therapiestrategien an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Die Kehrseite des Wirkstoffs ist, dass Doxorubicin zu Herzschwäche führen kann. Betroffen von dieser Nebenwirkung sind bis zu 20 Prozent der behandelten Patientinnen und Patienten.

Proteinproduktion fördern

Ein Forscherteam um Thomas Thum ist nun einem Ansatz auf der Spur, um diese häufige Nebenwirkung in Zukunft unterbinden zu können. Den Wissenschaftlern ist es bei Versuchen mit Mäusen gelungen, in das Erbgut der Tiere ein Gen einzufügen, das die Bildung des Proteins Quaking erhöht. Das könnte für Krebspatientinnen und -patienten, die mit Doxorubicin behandelt werden, von grossem Nutzen sein. Denn im Zuge einer Chemotherapie wird das Protein Quaking in geringerer Menge gebildet, was nach Erkenntnis der Wissenschaftler für die Schwächung des Herzes bei einem Teil der Patienten verantwortlich ist, wie Prof. Thum erläutert: „RNA, die Trägerin der Erbinformation, kann runde Formen annehmen. Wir konnten zeigen, dass diese 'runde RNA' für das normale Funktionieren von Herzmuskelzellen wichtig ist. Quaking ist an der Entstehung der 'runden RNAs' beteiligt. Sinkt Quaking ab, können diese nicht mehr gebildet werden.“

Quaking-Therapie könnte helfen

Die in der Fachzeitschrift 'Circulation Research' veröffentlichten Forschungsresultate sind ein Zwischenschritt. Wenn es gelingt, die Ergebnisse aus den Maus-Experimenten auf den Menschen zu übertragen, liesse sich die eingangs beschriebene Nebenwirkung von Chemotherapien möglicherweise unterbinden. Thomas Thum sagt, wie das gelingen könnte: „Um die Nebenwirkung von Doxorubicin zu vermeiden, versucht man in der Klinik heute häufig eine Dosisreduktion. Dadurch kann dann aber auch der Tumor nicht so effektiv behandelt werden. Es wäre daher schön, weiterhin hohe Dosen von Doxorubicin zur Tumorbekämpfung nutzen zu können. Gleichzeitig braucht man aber einen Schutz für das Herz. Das könnte sich in Zukunft über eine Quaking-Therapie erreichen lassen.“ Ganz absetzen oder ersetzen kann man Doxorubicin bislang nicht, sagt Thum. Die Forschung arbeitet heute auch schon an Nachfolge-Chemotherapien von Doxorubicin, die für das Herz möglicherweise weniger schädlich sein werden.

Forscher aus Hannover zeigen im Tierversuch, wie sich die Nebenwirkungen einer #Chemotherapie verringern lassen. http://bit.ly/2zrrkO2 #iph
Herzgewebe einer Maus
Elektronenmikroskopische Aufnahmen von Herzgewebe einer Maus: Das Herzgewebe links ist gesund, auf dem Bild rechts durch Doxorubicin geschädigt. Foto: MHH
 

Weitere Themen