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30. November 2017

Stress schlägt auf das Immunsystem

Stress macht krank, lautet eine Aussage, die man immer wieder hört. Ein deutsches Forscherteam hat nun bei der Untersuchung des Immunsystems von gestressten Personen Anhaltspunkte gefunden, die diese Aussage plausibel erscheinen lassen.

Immunologen und Psychologen des Leibnitz-Instituts für Arbeitsforschung an der Technischen Universität Dortmund haben sich in einer aktuellen Untersuchung zusammengetan, um den gesundheitlichen Auswirkungen von Stress auf den Grund zu gehen. Bei ihrer Studie richteten sie ihren Fokus hauptsächlich auf den Stress, wie er im Vorfeld einer Prüfung auftritt. Die Wissenschaftlerinnn und Wissenschaftler konnten zeigen, dass Prüfungsstress tatsächlich zu einer Veränderung des Immunsystems führt, das bekanntlich eine zentrale Rolle für die Gesundheit des Menschen spielt. Über ihre Ergebnisse berichten die Arbeitsforscher in der Online-Fachpublikation 'PLOS ONE'.

Weniger Immunzellen

An der Studie beteiligten sich 20 Psychologiestudentinnen und -studenten, die im Vorfeld einer Prüfung bzw. beim Warten auf die Ergebnisse unter Stress litten. Bei den Testpersonen wurden während eines achtwöchigen Zeitraums fünf Untersuchungen vorgenommen. Bei jeder Untersuchung wurden den Probanden unter anderem Blut- und Speichelproben entnommen. Die erste Untersuchung fand vor Beginn der Lernphase statt, die letzte Untersuchung eine Woche nach der Prüfung. Auf diese Weise brachten die Wissenschaftler in Erfahrung, wie sich 45 immunologische Parameter im Zuge der Prüfung veränderten. Dabei zeigte sich: Im Verlauf des Prüfungszeitraums reduzierte sich die Zahl einiger Immunzellen im Blut. Besonders betroffen vom Rückgang waren sogenannte NK-Zellen und Monozyten, die beide von besonderer Bedeutung für die frühe Abwehr von Infektionen sind. Die Wissenschaftler beobachteten auch, dass plötzlich mehr unreife NK- und T-Zellen im Blut vorhanden waren, während die Zahl der reifen Zellen zurückging.

Akuter und chronischer Stress

Ob diese Veränderungen bei der Zahl und der Art der Immunzellen gesundheitsrelevant sind, können die Wissenschaftler zur Zeit noch nicht sagen: „Man kann dies aufgrund von Erfahrungen zwar vermuten, aber wir haben noch keinen wissenschaftlichen Beweis“, sagt Prof. Dr. Carsten Watzl, wissenschaftlicher Direktor des Leibnitz-Instituts für Arbeitsforschung und Co-Autor der Studie. Er und seine Forscherkollegen vermuten, dass nicht nur Prüfungsstress das Immunsystem verändert, sondern auch andere Formen von Stress. Dank einer Befragung wussten die Studienautoren, welche der Probanden bereits vor der Untersuchung seit längerem an chronischem Stress litten. Diese Personen hatten schon bei Studienbeginn eine reduzierte Zahl von Immunzellen; bei ihnen hatte der chronische Stress offenbar schon die Wirkung erzielt, die bei den übrigen Probanden erst durch den akuten Stress der Prüfung hervorgerufen wurde. Offen ist die Frage, wie lange es nach einem Stressereignis dauert, bis sich das Immunsystem wieder normalisiert: Eine Woche nach der Prüfung, so der Befund der Dortmunder Studie, war dies noch nicht der Fall.

#Stress verändert Zahl und Art der #Immunzellen, zeigt eine Studie von deutschen Arbeitsforschern. http://bit.ly/2AK0fdB #iph
Prof. Dr. Carsten Watzl
Prof. Dr. Carsten Watzl ist wissenschaftlicher Direktor des Leibnitz-Instituts für Arbeitsforschung in Dortmund.
 

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