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4. Dezember 2017

Mit dem Immunsystem gegen Diabetes

Das Immunsystem des Menschen ist ein potentes Instrument zur Vermeidung und Bekämpfung von Krankheiten. Nach Erkenntnissen von Basler Forschern kann das Immunsystem möglicherweise genutzt werden, um die Insulinproduktion bei Diabetikern zu fördern.

Wenn die Bauchspeicheldrüse zu wenig oder gar kein Insulin produziert, leiden Patientinnen und Patienten an einer Diabetes. Denn wegen des fehlenden Hormons kommt es zu einer krankhaften Erhöhung des Zuckers (Glukose) im Blut. Um die Diabetes zu behandeln, muss das fehlende Insulin dem Körper von aussen zugeführt werden. Eine 'eleganter' Weg zur Behandlung von Diabetes bestünde darin, die körpereigene Produktion von Insulin anzuregen und so die hinreichende Insulinversorgung sicherzustellen. Dies könnte in Zukunft auf der Grundlage von neuen Erkenntnissen gelingen, welche Wissenschaftler der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Metabolismus am Universitätsspital Basel und des Departements Biomedizin der Universität Basel gewonnen haben.

Regelkreis beschrieben

Die beteiligten Forscher haben einen Regelkreis identifiziert, der die Insulinproduktion bei übergewichtigen Diabetes-Patienten verstärken könnte, wie sie in der Fachzeitschrift 'Immunity' schreiben. Teil dieses Regelkreises ist IL-33. Dieses Protein hat die Fähigkeit, bestimmte Immunzellen (ILC-2) in der Bauchspeicheldrüse anzuregen. Die ILC-2-Zellen wiederum können – über weitere Zwischenschritte – die Ausschüttung von Insulin bei übergewichtigen Diabetespatienten stimulieren, wie die Wissenschaftler in ihrer Untersuchung zeigen. Hierzu die Erläuterung des Basler Chefarztes Prof. Dr. Marc Donath: „Die Hauptaussage unserer Arbeit ist, dass das Immunsystem Insulin regulieren kann. Wir haben gezeigt, dass das Immunsystem somit ein Rolle bei der Therapie von Typ-2-Diabetes spielen könnte, wo wir nun wissen, dass das Immunsystem pathologisch aktiviert ist. Theoretisch gesehen könnte der Regelkreis auch bei Typ-1-Diabetes eine Rolle spielen, weil das Immunsystem auch dort dereguliert ist, allerdings geschieht das dort durch andere Mechanismen (Autoimmunität). Diese haben wir nicht untersucht.“

Langer Weg bis zu einem Medikament

Marc Donath betont, es sei noch ein langer Weg, bis die jüngsten Forschungsergebnisse den Weg in die Klinik finden, also im Rahmen einer Behandlung von Diabetes-Patienten eingesetzt werden können. Der Basler Diabetes-Spezialist verweist in diesem Zusammenhang auf IL1-beta. Wird dieser Botenstoff medikamentös blockiert, können Diabetes und die damit zusammenhängenden kardiovaskulären Erkrankungen eingedämmt werden. „Es ist 15 Jahre her, seit wir die erste Studie zu IL1-beta publiziert haben. Später folgte eine klinische Studie. Aber erst heute sind wir nun so weit, dass wir IL1-beta bei Diabetes-Patienten blockieren und den Menschen so helfen können; ein entsprechendes Medikament wird voraussichtlich im nächsten Jahr verfügbar sein. Dieses Beispiel veranschaulicht den Zeithorizont, der erforderlich ist, bis eine wissenschaftliche Erkenntnis zu einem direkten medizinischen Nutzen für Patientinnen und Patienten führt.“

Das Immunsystem könnte nach Erkenntnissen von Basler Forschern für die Behandlung von #Diabetes genutzt werden. http://bit.ly/2AS2onz #iph
Prof. Marc Donath
Der Basler Chefarzt Prof. Dr. Marc Donath.
 

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