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5. Dezember 2017

Effizient in der Lunge, nicht aber im Rachen

Zürcher Wissenschaftler haben neue Erkenntnisse gewonnen, wie das menschliche Immunsystem eine Lungenentzündung bekämpft. Die Resultate bilden die Grundlage für die Entwicklung von Impfstoffen, mit denen Lungenentzündungen vorgebeugt werden könnte.

Wenn Kinder an einer Lungenentzündung erkranken, sind dafür in vielen Fällen Mykoplasmen – eine spezielle Art von Bakterien – verantwortlich. Um die Erreger zu bekämpfen, ruft das Immunsystem der angesteckten Personen Abwehrzellen auf den Plan. Eine wichtige Rolle kommt dabei den sogenannten B-Zellen zu, denn die von diesen Zellen produzierten Antikörper rücken den Mykoplasmen zu Leibe. Dieser Wirkungsmechanismus bildet den Hintergrund einer neuen Untersuchung, welche Forscherinnen und Forscher des Universitäts-Kinderspitals Zürich, der Universität Zürich und holländische Kollegen von der Erasmus Universität Rotterdam durchgeführt haben. Ihre Erkenntnisse haben die Wissenschaftler jüngst in der Fachzeitschrift 'Journal of Infectious Diseases' veröffentlicht.

Immunabwehr nicht überall gleich effizient

Die Wissenschaftler stellten in Versuchen mit Mäusen fest, dass die von den Immunzellen produzierten Antikörper die Mykoplasmen in der Lunge sehr schnell auslöschen, während die Mykoplasmen im Nasen-Rachen-Raum wochenlang überleben. Für diese unterschiedliche Effizienz der Immunabwehr gebe es verschiedene mögliche Erklärungen, sagt Dr. med. Patrick Meyer Sauteur, Oberarzt für Infektiologie und Spitalhygiene am Universitäts-Kinderspital Zürich: „Auch wenn noch einiges unklar ist, werden die Erreger in der Lunge offensichtlich sehr effizient eliminiert. Dies ist notwendig, da es dort keine eigentliche 'Barriere' gibt. Im Gegensatz dazu schützt im Nasen-Rachen-Raum u.a. das respiratorische Epithel und ortsständiges lymphatisches Gewebe vor einer Infektion.“

Ausgangspunkt für Impfstoff

Die Erkenntnisse der jüngsten Untersuchung bieten nach Auskunft der beteiligten Forscherinnen und Forscher die Grundlage zur Entwicklung erster Impfstoffe gegen Mykoplasmen. Diese wären in der Lage, das Immunsystem bei einer drohenden Lungenentzündung auf die kommende Aufgabe – die Abwehr der Mykoplasmen – vorzubereiten und so eine Infektion zu verhindern. „Um so einen Impfstoff zu entwickeln, müssen wir im nächsten Schritt herausfinden, wie eine spezifische, schützende Antikörperantwort z.B. gegen Mykoplasmen-Proteine hervorgerufen werden kann, ohne dass dabei durch parallel ablaufende Vorgänge Antikörper-vermittelte Autoimmunkrankheiten hervorgerufen werden“, sagt Infektiologe Meyer Sauteur.

Eine solche Impfung ist umso wünschbarer, als in manchen Weltgegenden die Mykoplasmen gegen die eingesetzten Antibiotika (Makrolid-Antibiotika) mehr und mehr Resistenzen entwickeln und damit ihre Heilkraft zu verlieren drohen, wie Meyer Sauteur sagt: „In der Schweiz gibt es auch Resistenzen gegen Makrolid-Antibiotika, jedoch ist die Rate bei Kindern mit 2% im Vergleich zu Asien mit bis zu 98% von Makrolid-resistenten Mykoplasmen noch nicht alarmierend. In Italien konnten aber bereits Resistenzraten bis 25% nachgewiesen werden.“

Forscherteam hat neue Erkenntnisse gewonnen, wie das Immunsystem gegen #Lungenentzündungen vorgeht. http://bit.ly/2AWBHOm #iph
Mykoplasmen
Mikroskopaufnahme von Mykoplasmen (Mycoplasma pneumoniae).
 

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